27.10.2026 - 10:10 Uhr

Die geheime Sprache der Elefanten: Was wir nicht hören, verbindet sie über Kilometer

Rheinau - Tiefe Töne, erstaunliche Reichweiten und ein möglicher Nachrichtenkanal im Boden: Elefanten nutzen Infraschall, um mit Artgenossen in Kontakt zu bleiben. Wie ihre unsichtbare Kommunikation funktioniert – und welche Geheimnisse die Forschung noch entschlüsseln muss. Wenn Elefanten rufen, können ihre Artgenossen weit entfernt sein und trotzdem antworten.

Ein Teil ihrer Laute liegt in einem Frequenzbereich, den Menschen kaum oder gar nicht hören. Diese tiefen Rufe ermöglichen den Tieren, über große Entfernungen Kontakt zu halten, Gruppenbewegungen zu koordinieren und potenzielle Fortpflanzungspartner aufzuspüren. Besonders faszinierend: Die Schwingungen ihrer Rufe können nicht nur durch die Luft, sondern auch durch den Boden übertragen werden.Laute aus einer anderen KlangweltElefanten verfügen über ein außergewöhnliches akustisches Repertoire. Viele ihrer charakteristischen Rufe, die sogenannten Rumbles, enthalten sehr tiefe Frequenzen. Ein Teil davon liegt unterhalb von etwa 20 Hertz – der ungefähren unteren Grenze des menschlichen Hörvermögens. Elefanten können solche tiefen Frequenzen wahrnehmen und damit akustische Signale nutzen, die unseren Ohren verborgen bleiben.Dabei sind die Rufe keineswegs leise. Bei afrikanischen Elefanten wurden Schalldruckpegel von bis zu rund 103 Dezibel in fünf Metern Entfernung gemessen. Der Wert zeigt, wie kraftvoll diese tiefen Laute sein können. Wie weit sie reichen, hängt allerdings nicht nur von ihrer Lautstärke ab, sondern auch von der Umgebung und den jeweiligen Ausbreitungsbedingungen.Wie weit reicht ein Elefantenruf?Tiefe Schallfrequenzen werden in der Atmosphäre vergleichsweise wenig absorbiert und können deshalb große Entfernungen überbrücken. Untersuchungen mit abgespielten Elefantenrufen zeigen, dass die Tiere auf Signale aus mindestens zwei Kilometern Entfernung reagieren können. Unter günstigen Bedingungen kann die akustische Reichweite auf mehrere Kilometer anwachsen; wissenschaftliche Modelle nennen in bestimmten Situationen auch Entfernungen von bis zu etwa zehn Kilometern.Eine solche Reichweite ist jedoch kein fester Wert. Wind, Temperaturunterschiede, Hintergrundgeräusche und die Beschaffenheit des Lebensraums beeinflussen, ob ein Ruf am Ziel noch wahrnehmbar ist. Im dichten Regenwald kann störender Umgebungslärm die Reichweite beispielsweise deutlich einschränken. Bei günstigen Bedingungen können tiefe Rufe dagegen auch dort über große Entfernungen hinweg übertragen werden.Für Elefanten ist das ein entscheidender Vorteil: Sie können mit Artgenossen in Verbindung bleiben, obwohl sie sich nicht sehen können. Das unterstützt den sozialen Zusammenhalt und hilft ihnen, potenzielle Partner zu finden.Wenn der Boden zum Nachrichtenkanal wirdDie Kommunikation der Elefanten endet nicht an der Erdoberfläche. Ihre tiefen Rufe erzeugen auch mechanische Schwingungen, die sich im Untergrund ausbreiten können. Forschende haben nachgewiesen, dass Elefantenrufe sogenannte seismische Wellen erzeugen – also Schwingungen, die sich durch den Boden bewegen.Dass Elefanten solche Signale wahrnehmen können, gilt als wissenschaftlich gut begründete Möglichkeit. Experimente und anatomische Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass Bodenvibrationen für die Tiere eine zusätzliche Informationsquelle darstellen. Wie weit sie sich auf diese Art der Kommunikation verlassen können und wie zuverlässig sie einzelne Signale über größere Distanzen erkennen, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.Die Vorstellung ist dennoch faszinierend: Ein Ruf kann nicht nur als Schallwelle durch die Luft wandern, sondern zugleich den Boden in Schwingung versetzen. Damit steht Elefanten möglicherweise ein zusätzlicher Kommunikationsweg zur Verfügung, der gerade in bestimmten Lebensräumen von Vorteil sein könnte.Mit den Füßen auf EmpfangAuch die Anatomie der Elefanten gibt Hinweise darauf, wie sie Bodenschwingungen wahrnehmen könnten. In ihren Fußsohlen befinden sich spezialisierte Mechanorezeptoren, die auf mechanische Reize reagieren. Untersuchungen an Elefantenfüßen haben sogenannte Pacini-Körperchen nachgewiesen – Sinnesstrukturen, die unter anderem Vibrationen registrieren können.Forschende vermuten, dass diese Rezeptoren dabei helfen, seismische Signale aus dem Untergrund wahrzunehmen. Beobachtete Körperhaltungen, bei denen Elefanten innehalten und aufmerksam wirken, passen zu dieser Annahme. Der genaue Mechanismus, über den die Tiere solche Schwingungen erkennen und verarbeiten, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.Auch der Rüssel ist mit hochsensiblen Tastrezeptoren ausgestattet. Er ermöglicht Elefanten, ihre Umwelt auf außergewöhnlich differenzierte Weise zu erkunden. Welche Bedeutung diese Rezeptoren speziell für die Wahrnehmung seismischer Kommunikationssignale haben, lässt sich bislang nicht eindeutig bestimmen.Eine unsichtbare Verbindung zwischen den TierenBesonders wichtig sind die tiefen Rufe für das soziale Leben der Elefanten. Sie unterstützen den Kontakt zwischen Herdenmitgliedern und können bei der Partnersuche helfen. Männliche Tiere können mit ihren Rufen auf sich aufmerksam machen; Weibchen können die Signale wahrnehmen und darauf reagieren. Die akustische Kommunikation trägt damit dazu bei, dass sich Tiere auch über größere Distanzen hinweg finden und miteinander interagieren können.Die Elefantenkommunikation ist allerdings komplexer als eine einfache Geheimsprache. Rufe enthalten unterschiedliche akustische Merkmale, deren Bedeutung vom jeweiligen Verhalten und sozialen Zusammenhang abhängt. Die Forschung arbeitet weiterhin daran, die Signale genauer zuzuordnen und besser zu verstehen, welche Informationen Elefanten tatsächlich austauschen.Was für uns Stille ist, ist für Elefanten voller SignaleDie Infraschall-Kommunikation zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Tiere ihre Umwelt wahrnehmen. Während Menschen tiefe Frequenzen nur begrenzt hören können, nutzen Elefanten einen Klangbereich, der ihnen die Kommunikation über große Entfernungen erleichtert. Hinzu kommt die mögliche Wahrnehmung von Bodenschwingungen, die eine weitere Dimension ihrer Sinneswelt eröffnet.Die eigentliche Sensation ist nicht nur, wie tief Elefanten rufen können. Es ist die Erkenntnis, dass ihre Welt voller Signale steckt, die unseren Sinnen verborgen bleiben. Was für uns wie völlige Stille wirkt, kann für Elefanten ein weitreichendes Netzwerk aus akustischen Botschaften und mechanischen Schwingungen sein.(Ende)Aussender: Matto Barfuss Stiftung Ansprechpartner: Matto Barfuss Tel.: +49 7844 91 14 56 E-Mail: mail@matto-barfuss.de Website: www.matto-barfuss-stiftung.de