02.11.2026 - 06:30 Uhr

Militärische KI: Deutschland und Großbritannien bauen Kooperation aus

Deutschland und Großbritannien wollen ihre militärische Zusammenarbeit um gemeinsame KI-Projekte ergänzen. Geplant sind außerdem neue Industrieinvestitionen und ein Präzisionsschlagprogramm mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern.

Berlin und London erweitern militärische KooperationDeutschland und Großbritannien wollen ihre militärische Zusammenarbeit um gemeinsame Forschung und Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz ergänzen. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting kündigte dies vor seinem für Montag erwarteten Treffen mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in Berlin an.Cyber-Lighthouse wird um KI ergänztStreeting schreibt in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, beide Seiten würden bestätigen, dass das Cyber-Lighthouse-Projekt um den Bereich KI erweitert werde. Vorgesehen seien die gemeinsame Erprobung, Entwicklung und spätere Einführung von KI in den Streitkräften.Für das Frühjahr 2027 kündigte Streeting einen deutsch-britischen Runden Tisch mit Vertretern aus Regierung und Industrie an. Das Gremium soll militärische, technologische und industrielle Expertise zusammenführen und die Umsetzung des Vorhabens vorbereiten.Unternehmen investieren in britische RüstungSeit der Unterzeichnung des Trinity-House-Abkommens vor zwei Jahren haben deutsche Unternehmen laut Streeting Investitionen von 800 Millionen Pfund in die britische Verteidigungsindustrie zugesagt. Helsing plant demnach eine neue Drohnenfabrik in Plymouth, unterstützt durch 350 Millionen Pfund für KI-gestützte Mini-U-Boote.ARX Robotics will 45 Millionen Pfund in die Entwicklung von Drohnen investieren. Stark Defence bestätigte Pläne für eine große Drohnenfabrik in Wiltshire, während Rheinmetall 400 Millionen Pfund investieren will, darunter in eine neue Geschützrohrfabrik in Telford.Präzisionsschläge mit großer ReichweiteZusätzlich kündigte Streeting neue Technologien für weitreichende Präzisionsschläge an. Das britische Programm Deep Precision Strike soll noch innerhalb dieses Jahrzehnts eine Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern erreichen.Streeting verbindet das Vorhaben mit der Sicherung von Arbeitsplätzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der britischen und deutschen Industrie. Die angekündigte Erweiterung des Cyber-Lighthouse-Projekts verbindet zwei bereits eng verknüpfte Felder europäischer Verteidigungspolitik: den Schutz digitaler Infrastruktur und den Einsatz datengetriebener Systeme in den Streitkräften. Mit der gemeinsamen Erprobung und Entwicklung von KI sollen Verfahren nicht nur national, sondern über abgestimmte Standards und militärische Schnittstellen nutzbar werden.Für Deutschland und Großbritannien ist die Kooperation auch industriepolitisch bedeutsam. Die von Wes Streeting genannten Investitionszusagen von insgesamt 800 Millionen Pfund verteilen sich auf Drohnen, Mini-U-Boote, Geschützrohre und weitere Rüstungsbereiche. Damit geht es neben militärischen Fähigkeiten um Produktionskapazitäten, Lieferketten und Arbeitsplätze in beiden Ländern.Mehr Reichweite, höhere AnforderungenDas angekündigte Deep-Precision-Strike-Programm mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern erweitert den geografischen Anspruch der Zusammenarbeit. Solche Systeme erhöhen aus militärischer Sicht die Bedeutung präziser Aufklärung, sicherer Kommunikation und belastbarer Entscheidungsprozesse. Gerade bei KI-Anwendungen bleiben deshalb Fragen zu menschlicher Kontrolle, Verantwortlichkeit, Datensicherheit und dem Umgang mit Fehlentscheidungen zentral.Der für das Frühjahr 2027 geplante Runde Tisch soll Regierung und Industrie zusammenbringen. Seine konkrete Bedeutung wird davon abhängen, welche Projekte priorisiert, wie Zuständigkeiten geregelt und welche Technologien tatsächlich in die Streitkräfte eingeführt werden.