Bei der Deutschen Bahn nehmen Verspätungsfälle wegen gestörter Infrastruktur deutlich zu. DB-InfraGO-Chef Philipp Nagl hält dennoch an mehrmonatigen Korridorsperrungen fest und verweist auf weitere Großsanierungen.
Bahn meldet mehr InfrastrukturstörungenDie Zahl der Verspätungsfälle durch gestörte Infrastrukturanlagen ist bei der Deutschen Bahn 2026 um 40 Prozent gestiegen. Das sagte DB-InfraGO-Vorstandschef Philipp Nagl der Wochenzeitung „Die Zeit“.Extreme Temperaturen belasten AnlagenNach Nagls Darstellung haben der sehr kalte Winter zu Jahresbeginn und der sehr heiße Sommer die Infrastruktur besonders beansprucht. Extreme Temperaturen beschädigten Anlagen und erschwerten schnelle Reparaturen.Weichen, Oberleitungen und Stellwerke gingen in Deutschland derzeit weiterhin schneller kaputt, als sie repariert werden könnten. Seit 2024 sperrt die Infrastrukturtochter der Bahn Streckenabschnitte für mehrere Monate, um sie vollständig zu sanieren.Kritik an KorridorsanierungenZuletzt war Kritik an den Korridorsanierungen laut geworden, weil Züge nach Abschluss der Bauarbeiten teilweise weiterhin unpünktlich fuhren. Auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte sich kritisch geäußert. Nagl will trotzdem an dem Sanierungsmodell festhalten.Technik bremste Hamburg-BerlinFür die Verspätungen auf der sanierten Strecke zwischen Hamburg und Berlin machte Nagl Probleme mit der Leit- und Sicherungstechnik verantwortlich. Bei der Wiedereröffnung sei diese Technik noch nicht vollständig in Betrieb gewesen, weshalb der Fernverkehr abschnittsweise langsamer fahren musste.Hochgeschwindigkeitszüge nutzen ein spezielles Zugsicherungssystem, für dessen Aktivierung die Strecke ein zweites Mal abgenommen werden muss. Seit Sonntag sind nach Angaben Nagls alle Abnahmefahrten abgeschlossen. Um Verzögerungen künftig zu verringern, soll der Zugverkehr nach Streckensperrungen schrittweise anlaufen.Verbesserungen erst nach weiteren SanierungenGrundsätzlich sei die Pünktlichkeit auf sanierten Strecken nach den Bauarbeiten höher als zuvor, sagte Nagl. Bis die Effekte im gesamten Netz spürbar werden, müssten sich Bahnreisende jedoch weiter gedulden.Eine stärkere Wirkung erwartet Nagl nach den Sanierungen besonders problematischer Verbindungen. Als nächste große Vorhaben nannte er Berlin–Hannover im kommenden Jahr und Hamburg–Hannover im Jahr 2029. Danach seien die großen Strecken erledigt und die Züge würden deutschlandweit wieder pünktlicher fahren.
Die Meldung verweist auf ein strukturelles Problem des deutschen Schienennetzes: Selbst umfangreiche Bauprogramme beseitigen die Störungsursachen nicht sofort. DB InfraGO bündelt deshalb seit 2024 Arbeiten in mehrmonatigen Korridorsperrungen, um Strecken grundlegend zu erneuern. Das Konzept soll langfristig die Zahl infrastruktureller Störungen senken, führt während der Sperrungen aber zu Umleitungen, längeren Fahrzeiten und Einschränkungen im Regional- und Güterverkehr.
Sanierung trifft auf laufenden Betrieb
Die aktuellen Probleme auf der Verbindung Hamburg–Berlin zeigen, dass eine Wiedereröffnung nicht automatisch einen störungsfreien Betrieb bedeutet. Neben Gleisen, Weichen und Oberleitungen müssen auch Leit- und Sicherungssysteme abgenommen und für den Hochgeschwindigkeitsverkehr freigegeben werden. Verzögerungen in diesem Ablauf können besonders den Fernverkehr treffen, während andere Züge die Strecke grundsätzlich bereits nutzen können.
Für Reisende bedeutet das, dass sich Verbesserungen nicht unmittelbar nach jeder Baumaßnahme zeigen. Entscheidend ist, ob die erneuerten Anlagen dauerhaft zuverlässiger arbeiten und ob die Bahn die zusätzlichen Abnahmen, Testfahrten und die schrittweise Wiederaufnahme des Verkehrs besser in die Sperrzeiten integrieren kann.
Weitere Korridore als Belastungsprobe
Mit den angekündigten Arbeiten Berlin–Hannover im kommenden Jahr und Hamburg–Hannover im Jahr 2029 stehen weitere stark belastete Verbindungen im Mittelpunkt. Diese Strecken sind für Pendler, den innerdeutschen Fernverkehr und den Gütertransport von hoher Bedeutung. Die geplanten Sperrungen können kurzfristig neue Belastungen erzeugen, sollen aber zugleich die Grundlage für stabilere Fahrpläne schaffen.