25.10.2026 - 11:01 Uhr

Berliner Polizei registriert 585 Schusswaffendelikte im Halbjahr

Die Berliner Polizei registrierte im ersten Halbjahr 2026 mehr Delikte mit Schusswaffengebrauch als im Vorjahreszeitraum. Spezialeinheiten verfolgen dabei zunehmend organisierte Strukturen, die auch Minderjährige für schwere Straftaten anwerben.

Berliner Polizei verzeichnet mehr SchusswaffendelikteDie Berliner Polizei hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 585 Delikte mit Schusswaffengebrauch registriert, darunter 324 Bedrohungen und 261 Schussabgaben. Im Vorjahreszeitraum waren es 561 Fälle, wobei die Statistik auch Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen umfasst.62 Schussabgaben als Straftaten bewertetFür 2026 meldete die Polizei 65 Schussabgaben. Nach manueller Prüfung wertete sie 62 davon als Straftaten.Als Geschädigte erfasste die Polizei 118 Personen, darunter zwei Tote. Die Zahlen bilden damit unterschiedliche Formen des Waffeneinsatzes ab – von Bedrohungen bis zu tatsächlichen Schüssen.Ferrum führt Hunderte VerfahrenDie Polizei-Spezialeinheit „Ferrum“ leitete seit ihrer Gründung 708 Ermittlungsverfahren ein. Dabei erwirkte sie 77 Haftbefehle und stellte 73 scharfe Schusswaffen sicher.Staatsanwaltschaft bearbeitet 258 VerfahrenBei der Ermittlungsgruppe „Telum“ der Staatsanwaltschaft Berlin waren bis Ende September dieses Jahres 258 Verfahren in Bearbeitung. In 19 Verfahren wurden Anklagen erhoben oder Strafbefehle beantragt.Zu 61 Personen wurden Haftbefehle erlassen und vollstreckt. Bei neun Personen wurden die Haftbefehle gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.Minderjährige für schwere Aufträge angeworbenErmittler beobachten, dass kriminelle Netzwerke auch Minderjährige für Aufträge anwerben. Dazu zählen nach ihren Angaben Brandanschläge und Tötungsdelikte.Sie bezeichnen dieses Modell als „Crime as a Service“, also Kriminalität als Dienstleistung. Europol hat dafür die länderübergreifende Taskforce Grimm eingerichtet, die seit ihrer Gründung im April 2025 insgesamt 300 Festnahmen verzeichnete. Die Berliner Zahlen zeigen für das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg der registrierten Delikte mit Schusswaffengebrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei erfasst die Statistik nicht nur den Einsatz scharfer Waffen, sondern auch Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Die Zahl der Schussabgaben liegt deutlich unter der Gesamtzahl der Delikte, weil Bedrohungen einen großen Anteil ausmachen.Besonders schwer wiegt die Zahl der Geschädigten: 118 Menschen wurden erfasst, darunter zwei Tote. Die manuelle Prüfung der gemeldeten Schussabgaben verdeutlicht zugleich, dass polizeiliche Erstaufnahmen und die spätere strafrechtliche Bewertung auseinanderfallen können. Für die Sicherheitslage entscheidend ist deshalb nicht allein die Gesamtzahl, sondern auch die Entwicklung schwerer Gewaltdelikte.Organisierte Aufträge und MinderjährigeDie Ermittlungen der Einheiten Ferrum und Telum richten sich auf organisierte Strukturen hinter Schusswaffen- und Gewaltdelikten. Die beschriebenen Haftbefehle, sichergestellten Waffen und laufenden Verfahren zeigen, dass Polizei und Staatsanwaltschaft den Komplex mit spezialisierten Strukturen bearbeiten.Als zusätzliches Risiko gilt die Anwerbung Minderjähriger für Aufträge wie Brandanschläge oder Tötungsdelikte. Das als „Crime as a Service“ bezeichnete Modell kann kriminellen Netzwerken ermöglichen, Auftraggeber und Ausführende voneinander zu trennen. Die internationale Zusammenarbeit über Europol soll solche grenzüberschreitenden Strukturen erfassen; für Berlin bleibt maßgeblich, ob Ermittlungen zu Anklagen, Verurteilungen und einer nachhaltigen Eindämmung der Gewalt führen.