Baden/St. Pölten - Am 7. April 2026 fand im Ostarrichi-Saal des Landhauses St. Pölten die Tagung "Hinschauen statt Wegschauen – Haltung zeigen. Stärken sehen. Wirksam handeln." statt. Diese wurde in Kooperation der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich, der Bildungsdirektion für Niederösterreich sowie dem Amt der NÖ-Landesregierung, Abteilung Familien und Generationen/Gewaltprävention, durchgeführt.
Im Mittelpunkt standen Fragen professioneller Wahrnehmung, Verantwortung sowie des Umgangs mit Ausgrenzung, Diskriminierung und strukturellen Ungleichheiten im Bildungskontext.Verantwortung wahrnehmen, Orientierung entwickelnEröffnet wurde die Tagung von Brigitte Schuckert, Leiterin des Pädagogischen Dienstes der Bildungsdirektion NÖ. Sie betonte die Verantwortung von Schule als Ort, an dem pädagogisches Handeln eng mit Schutz und gesellschaftlicher Entwicklung verbunden ist: "Wir dürfen nicht wegschauen, wenn pädagogisches Handeln gefragt ist – wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen und Stärken sichtbar zu machen."Im Anschluss begrüßte Petra Heißenberger, Vizerektorin der PH NÖ, die über 140 Teilnehmenden und verortete die zentralen Themen der Tagung im schulischen Alltag. Schule ist ein Ort, an dem Bildung, persönliche Entwicklung, Schutz und gesellschaftliche Verantwortung zusammenwirken. "Die zentrale Frage ist, wo im schulischen Alltag genauer hingeschaut werden muss – und welche Konsequenzen sich daraus für pädagogisches Handeln ergeben", führte sie aus.Haltung als professionelle RessourceDen inhaltlichen Auftakt setzte Patrizia Jankovic, Vorsitzende der Arbeitsgruppe für Gleichbehandlungsfragen des BMB, mit ihrem Vortrag "Haltung in kritischen Zeiten". Sie näherte sich dem Thema aus bildungswissenschaftlicher Perspektive und arbeitete dessen Bedeutung im Kontext gesellschaftlicher Veränderungsprozesse heraus. Orientierung wurde dabei nicht als feste Eigenschaft verstanden, sondern als etwas, das sich aus Reflexion, Erfahrung und den Anforderungen des Berufsalltags immer wieder neu entwickelt.Dabei wurde deutlich, dass pädagogisches Handeln insbesondere dort sichtbar wird, wo Unsicherheit, Spannungen und komplexe Herausforderungen bestehen. "Es ist leicht, unscheinbar zu bleiben und zu hoffen, dass andere das Wort ergreifen", führte sie aus und unterstrich: "Hinschauen ist eng verbunden mit sozialen Werten wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Verantwortung."Weitere Perspektiven auf professionelles Handeln im BildungskontextErgänzend erweiterten weitere Fachvorträge den Blick auf zentrale Dimensionen professionellen Handelns im schulischen Kontext: Simon B?ezina vom Verein White Ribbon Österreich sprach in seinem Vortrag "Toxische Männlichkeit" über die Spannungsfelder, in welchen Burschen schon ab dem Volksschulalter zurechtkommen müssen, da ihnen die "Kosten der Männlichkeit", also das Dogma wie ein echter Mann zu sein hat, meist schon in diesem Alter aufgebürdet wird. Das konstant in eine defensive Haltung gedrängt werden gipfelt dann irgendwann im Leitsatz "Wenn ich kein Opfer sein will, muss ich Täter sein", so B?ezina.Anschließend widmete sich die deutsche Psychologin Jasmina Eifert in ihrem Vortrag "Pro Ana und 764 – Gemeinsamkeiten, Strukturen und Gefahren" digitalen Risikophänomenen. Auch wenn diese zwei Szenen per se relativ wenig miteinander zu tun haben, gibt es dennoch etliche Gemeinsamkeiten wie, die Aspekte des selbstverletzenden Verhaltens bis hin zum Suizid, der Sextortion sowie sich überschneidender Opfermerkmale. War die Pro Ana Bewegung bei ihrer Gründung Ende der 90er Jahre noch offen für alle Aspekte einer Essstörung, so geht es seit den Nullerjahren eigentlich nur noch um die Verherrlichung von Anorexie. Das Bedrückende beim 764 Phänomen ist auf der anderen Seite, dass hier Täter:innen und Opfer der gleichen Altersdemographie entspringen und man, obwohl es keine klassische Organisation gibt, von organisierter Gewalt sprechen muss. Wie bei Pro Ana findet die Kontaktaufnahme hier hauptsächlich online statt und im Fall von 764 wiederum hauptsächlich in Chaträumen von Gamingplattformen.Abschließend stellte Thomas Herdin, Leiter der Abteilung Transkulturelle Kommunikation an der Paris Lodron Universität Salzburg, in seinem Vortrag "Mental stark. Wirksam handeln." die Bedeutung von digitaler Selbstfürsorge als Ressource für professionelles Handeln in den Mittelpunkt. Herdin rief hier zu einem Paradigmenwechsel von Resilienz zu Prosilienz auf. Hierfür machte er die Tagungsteilnehmenden mit drei Ebenen mentaler Selbststeuerung für digitale Selbstfürsorge vertraut. Mit den Ebenen der Bewertungskompetenz (Framing: Bedeutung), Aufmerksamkeitskompetenz (Filter: Stille & Atem) sowie Regulationskompetenz (Impuls: Reiz-Reaktion entkoppeln) plädierte Herdin für ein bewussteres Umgehen mit der ständigen Reiz- und Informationsüberflutung. Seinen Vortrag beendete er mit der Vorstellung von Kurzinterventionen für jede der drei Ebenen.Haltung als Kompass pädagogischen HandelnsDie Beiträge der Tagung machten deutlich, dass Haltung eine zentrale Orientierung für professionelles pädagogisches Handeln darstellt. Sie zeigt sich insbesondere dort, wo Unsicherheiten bestehen und Entscheidungen gefragt sind. Haltung verbindet fachliche Kompetenz mit ethischer Verantwortung und bildet damit eine wesentliche Grundlage für wirksames Handeln im Bildungskontext.Abgerundet wurde die Tagung durch eine begleitende Fachausstellung im Sinne einer Mini-Messe sowie vielfältige Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung der Teilnehmenden. Die Tagung machte deutlich, dass professionelles Handeln im Bildungskontext von Haltung, Verantwortung und Gemeinsinn getragen wird.Für die Konzeption und Organisation der Tagung zeichneten Fabienne Heiden, Matthias Hesse und Karin Punz (Bildungsdirektion NÖ)*, Henriette Höfner (Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Familien und Generationen/Gewaltprävention) sowie Kerstin Angelika Zechner (PH NÖ, Departmentleitung Diversität) verantwortlich.(Ende)Aussender: Pädagogische Hochschule Niederösterreich Ansprechpartner: Martina Raab Tel.: +43 660 1807025 E-Mail: martina.raab@ph-noe.ac.at Website: www.ph-noe.ac.at