Drei Nachwahlbefragungen sehen den Likud vorn, doch das Mitte-Links-Bündnis von Gadi Eizenkot kommt zusammen auf mehr Sitze. Für beide Lager zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab.
Likud gewinnt Einzelvergleich, verliert aber die MehrheitsoptionBei der Parlamentswahl in Israel könnte die Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu erneut stärkste Kraft geworden sein. Drei verschiedene Nachwahlbefragungen sehen die Likud-Partei allesamt vorn.Kein Lager erreicht allein die MehrheitZusammen mit seinen Verbündeten kommt der Likud-Block aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr über die parlamentarische Mehrheit. Laut sämtlicher Nachwahlbefragungen ist das Mitte-Links-Bündnis von Ex-General Gadi Eizenkot etwas stärker, erreicht alleine aber ebenfalls nicht mehr als die Hälfte der Sitze in der Knesset.Erste Wahl seit dem 7. Oktober 2023Die Parlamentswahl war die erste seit den Ereignissen vom 7. Oktober 2023, die Israel und seine Gesellschaft verändert haben. Wegen des nachfolgenden Gazakrieges existierte von Oktober 2023 bis Juni 2024 ein Kriegskabinett, dem auch Oppositionspolitiker angehörten.
Die Wahl markiert den ersten Urnengang seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und den darauffolgenden Kriegsjahren. Damit steht nicht nur die Zusammensetzung der 120 Sitze umfassenden Knesset zur Abstimmung, sondern auch die politische Bilanz des Umgangs mit Sicherheitskrise, Gaza-Krieg und gesellschaftlicher Polarisierung.Für eine Regierungsbildung sind mindestens 61 Mandate erforderlich. Dass weder der Likud-Block noch das Mitte-Links-Bündnis diese Schwelle nach den Nachwahlbefragungen allein erreicht, macht Koalitionsverhandlungen und mögliche Bündnisse mit kleineren Parteien entscheidend.Koalitionsbildung wird zum SchlüsselDas Ergebnis kann deshalb trotz des Vorsprungs der Likud-Partei offen bleiben. Netanjahu müsste seine Verbündeten zusammenhalten oder weitere Partner gewinnen, während Eizenkots Bündnis ebenfalls auf Unterstützung außerhalb des eigenen Lagers angewiesen wäre.Die politische Bedeutung reicht über die Sitzverteilung hinaus. Sicherheitsfragen, der Umgang mit den Folgen des 7. Oktober, die Kriegspolitik und die Belastung der Gesellschaft prägen die Wahlentscheidung. Das Ergebnis dürfte damit auch Einfluss auf Israels innenpolitischen Kurs und den Umgang mit dem Gaza-Konflikt haben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentagesschau: „Knesset-Wahl 2026: Israel vor der Entscheidung“ (27.10.2026)Der Beitrag ordnet die Wahl als erste Parlamentswahl seit dem 7. Oktober 2023 ein und beschreibt das enge Rennen zwischen Benjamin Netanjahu und Gadi Eisenkot. Einen Schwerpunkt legt er auf die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen und die schwierige Koalitionsbildung.Bayerischer Rundfunk: „Netanjahu hofft bei Wahl in Israel auf Machterhalt“ (27.10.2026)Der BR hebt Netanjahus Ziel eines Machterhalts und die Bedeutung der Wahl nach dem Hamas-Angriff hervor. Anders als der ausführlichere Hintergrundbericht der tagesschau konzentriert sich die Meldung auf den Wahlkampf und das Kopf-an-Kopf-Rennen mit Eisenkot. Gemeinsam bleibt offen, welches Lager genügend Partner für eine Mehrheit findet.