Ex-Grünenchefin Ricarda Lang schreibt den Wahlerfolg von Cem Özdemir in Baden-Württemberg auch seiner Distanz zur eigenen Partei zu.
Er habe wegen einer "Mischung aus Authentizität, Klarheit in den Positionen und einer gewissen Distanz zur eigenen Partei" gewonnen, sagte Lang bei einer Veranstaltung des "Sterns" am Donnerstagabend in Hamburg.Das habe mit einer grundsätzlichen Skepsis der Bürger gegen Parteien zu tun. "Die Leute haben gar kein Bock mehr auf Parteien", sagte Lang. "Alles, was den Geruch des Parteisoldatentums hat, wird abgelehnt." Wo Politiker über "die Dogmatik der eigenen Partei hinausgehen", würden sie Vertrauen und Wählerstimmen gewinnen.Lang räumte auch ein, dass Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer beim Wahlsieg mitgeholfen habe. "Palmer hat eine Rolle gespielt, die geholfen hat", sagte sie. Ein Ministeramt in der Landesregierung stünde ihm trotzdem nicht zu. "Nein", antwortete Lang auf eine entsprechende Frage. "Ich treffe die Entscheidung nicht, aber das ist meine Einschätzung."Lang mahnte, dass sich CDU und Grüne nach dem Wahlkampf nun zusammenraufen müssten. Es habe sie "komplett irritiert", dass beide Parteien auch nach dem Wahlabend noch diskutieren würden, "wer jetzt gemein zu wem war", sagte Lang. Sie habe sich gefragt: "Wen juckt`s?" Lang warnte die Beteiligten vor einer "inzestuösen Nebelschau eines Politikbetriebs, der immer mehr um sich selbst kreist".