In der Debatte um die Gesundheitsreform rücken neben möglichen Mehrbelastungen für Versicherte zunehmend strukturelle Fragen im Krankenkassen-System in den Fokus.Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, mahnte in der "Bild" (Montagsausgabe), die Lasten nicht einseitig zu verteilen.
"Es kann nicht sein, dass am Ende allein die Versicherten die Zeche zahlen sollen. Klar ist: Jeder muss seinen Beitrag leisten - Versicherte, Leistungserbringer und eben auch die Krankenkassen."Zugleich forderte Pantazis, auch die Kassen stärker in Reformüberlegungen einzubeziehen. "Wer jetzt so tut, als könnten die Kassen außen vor bleiben, verkennt die Realität. Auch dort gibt es Effizienzreserven, die wir heben müssen. Dazu gehört ausdrücklich auch eine Strukturreform im Kassensystem."Vor diesem Hintergrund brachte Pantazis eine deutliche Reduzierung der Zahl der Kassen ins Gespräch. "Ich sage es ganz offen: Wir brauchen keine 90 Krankenkassen. Ein halbes Dutzend bis maximal ein Dutzend große, leistungsfähige Kassen würde ausreichen. Entscheidend ist eine sinnvolle Mindestgröße, damit Verwaltung effizient organisiert und Versorgung verlässlich gesteuert werden kann."Auch innerhalb der Branche wird über Veränderungen diskutiert. Der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, sagte der "Bild": "Auch die Ausgaben der Krankenkassen werden künftig begrenzt." Dennoch dürfe die Struktur der Kassen "kein Tabu" sein. Der Gesundheitsökonom Andreas Beivers (Hochschule Fresenius) sagte der "Bild": "Auch die Krankenkassen müssen sich für die Zukunft neu aufstellen." Es gebe "große Herausforderungen bei der Digitalisierung, IT-Sicherheit und Behandlungsformen". Beivers: "Es ist zu hinterfragen, ob alle rund 90 Kassen derzeit dazu gleichermaßen in der Lage sind."