Die Linke nominiert Hendrikje Klein für das Präsidentenamt, während mehrere Fraktionen einen AfD-Kandidaten als Vizepräsidenten ablehnen. Dadurch könnte ein Posten im Präsidium zunächst unbesetzt bleiben.
Berliner Abgeordnetenhaus beginnt neue WahlperiodeKnapp sechs Wochen nach der Wahl ist das Berliner Abgeordnetenhaus am Donnerstag erstmals in neuer Zusammensetzung zusammengekommen. Alterspräsident Kurt Wansner (CDU) eröffnete die konstituierende Sitzung.Linke nominiert Hendrikje KleinWichtigster Tagesordnungspunkt ist die Wahl eines Parlamentspräsidenten. Die Linke hat als stärkste Fraktion das Vorschlagsrecht und nominierte ihre langjährige Abgeordnete Hendrikje Klein.Klein wäre die erste Linken-Politikerin an der Spitze des Berliner Abgeordnetenhauses. Nach Hanna-Renate Laurien (CDU, 1991 bis 1995) und Cornelia Seibeld (CDU, 2023 bis 2026) wäre sie die dritte Frau in diesem Amt und die erste Frau aus dem Osten.Die Abgeordnete sitzt seit 2016 für die Linke im Parlament und war unter anderem Mitglied des Untersuchungsausschusses zur Fördergeldaffäre. Bei ihrer Vorstellung vor den Fraktionen kündigte sie an, viel Raum für Debatten zu lassen, zugleich aber auf den Ton im Parlament zu achten.AfD-Kandidat für Vizepräsidentenamt umstrittenFür Donnerstag sind außerdem die Wahlen von zwei Vizepräsidenten vorgesehen. Die CDU nominierte die bisherige Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld, die AfD schlug den Abgeordneten Martin Trefzer vor.Linke, CDU, Grüne und SPD wollen Trefzer jedoch nicht wählen. Das Amt könnte deshalb bis auf Weiteres vakant bleiben.153 Abgeordnete in neuer LegislaturperiodeDas Abgeordnetenhaus hat in der neuen Legislaturperiode 153 Mitglieder und damit sechs weniger als zuvor. Die Linke verfügt über 45 Sitze, ihrer Fraktion gehören zunächst aber nur 44 Abgeordnete an, weil eine gewählte Linken-Politikerin wegen einer Erkrankung nicht an der konstituierenden Fraktionssitzung teilnehmen konnte.Die CDU stellt 33 Abgeordnete, die AfD 29, die Grünen 25 und die SPD 21. Knapp die Hälfte der Parlamentarier zog neu ins Abgeordnetenhaus ein; der Frauenanteil liegt bei rund 38 Prozent.
Die konstituierende Sitzung markiert den formalen Beginn der neuen Wahlperiode. Mit 153 Sitzen ist das Parlament kleiner als zuvor; zugleich bringt knapp die Hälfte der Abgeordneten noch keine Erfahrung aus einer früheren Legislaturperiode mit. Die Sitzverteilung macht die Linke zur stärksten Fraktion, ohne ihr eine eigene Mehrheit zu geben.Mehrheiten prägen die PersonalentscheidungenDie Wahl des Präsidiums ist deshalb nicht nur eine organisatorische Frage. Für die Präsidentenwahl kann die Linke auf Unterstützung aus anderen Fraktionen angewiesen sein. Noch konfliktträchtiger ist die Nominierung des AfD-Abgeordneten Martin Trefzer für einen Vizepräsidentenposten: Mehrere Fraktionen haben angekündigt, ihn nicht zu wählen. Der Posten könnte dadurch zunächst unbesetzt bleiben.Für die parlamentarische Arbeit bedeutet das einen Auftakt mit klaren politischen Spannungen. Das Präsidium soll Sitzungen leiten, die parlamentarischen Rechte sichern und den Umgangston im Haus prägen. Hendrikje Kleins angekündigter Fokus auf Debatten und eine Öffnung des Parlaments für Schulklassen und Erstwähler verbindet diese institutionelle Aufgabe mit dem Anspruch, die neue Wahlperiode stärker nach außen sichtbar zu machen.Neue Zusammensetzung verändert das HausDie Sitzverteilung schafft zugleich ein fragmentiertes Parlament: Neben der Linken verfügen CDU, AfD, Grüne und SPD über unterschiedlich große Fraktionen. Der Frauenanteil von rund 38 Prozent zeigt eine weiterhin ungleiche Repräsentation. Die erste Sitzung legt damit personelle und organisatorische Grundlagen, bevor die inhaltliche Gesetzgebungsarbeit der neuen Wahlperiode beginnt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenn-tv: „Abgeordnetenhaus entschiedet über wichtige Personalien“ (29.10.2026)Der Beitrag bestätigt die konstituierende Sitzung und stellt die anstehenden Personalentscheidungen heraus. Sein Schwerpunkt liegt auf der Wahl des Präsidiums und der Nominierung Hendrikje Kleins.rbb24: „Berlin Neues Abgeordnetenhaus kommt erstmals zusammen“ (29.10.2026)Der Bericht ordnet den Beginn der neuen Wahlperiode ein und nennt ebenfalls Kleins Kandidatur. Im Mittelpunkt stehen die erste Sitzung und die bevorstehenden Wahlen; offen bleibt insbesondere der Ausgang der Abstimmung über die Vizepräsidenten.Beide Beiträge bestätigen den organisatorischen Neubeginn und die zentrale Rolle der Präsidiumswahlen. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von Personalfragen und parlamentarischem Auftakt.