31.10.2026 - 16:57 Uhr

Berliner Linke stimmt für Koalitionsgespräche mit SPD und Grünen

Nach SPD und Grünen hat nun auch die Berliner Linke den Weg für Gespräche über ein rot-grün-rotes Bündnis freigemacht. Im Zentrum stehen soziale Entlastungen, Verkehrspolitik und die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen.

Berliner Linke beschließt Gespräche mit SPD und GrünenDie Berliner Linke hat am Samstag auf einem außerordentlichen Landesparteitag mit großer Mehrheit den Weg für Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD freigemacht. Damit können die drei Parteien auf Grundlage ihres gemeinsamen Sondierungspapiers in die nächste Phase der Regierungsbildung eintreten.Eralp wirbt für linke HandschriftDie Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte zuvor für die Aufnahme der Verhandlungen geworben. Das Sondierungspapier trage eine „klare linke Handschrift“, sagte sie, und stellte bezahlbares Wohnen sowie eine Politik zugunsten der Menschen in den Mittelpunkt.Eralp kündigte an, „jeden Hebel umzulegen, um Berlin wieder bezahlbar zu machen“. Als besonders weitreichendes Vorhaben nannte sie die geplante Anwendung des Vergesellschaftungsartikels 15 des Grundgesetzes auf große Wohnungsunternehmen.Wohnungsmarkt prägt VerhandlungenDie Vergesellschaftung soll nach den bisherigen Vereinbarungen den Einfluss großer Immobilienkonzerne auf den Berliner Wohnungsmarkt begrenzen. Daneben sieht das Sondierungspapier den Ausbau der Radwege und ein günstigeres Sozialticket im öffentlichen Nahverkehr vor.Angriffe und SicherheitsdebatteAuf dem Parteitag sprach Eralp außerdem von einer „Angriffswelle“ gegen sie und die Linke, die eine „zerstörerische Dimension“ angenommen habe. Zugleich räumte sie eigene Fehler der Partei ein und sagte, diese dürften sich nicht wiederholen.Hintergrund ist auch ein Bericht über Sicherheitsbedenken Eralps und ihrer Familie. In einer späteren Darstellung hieß es, dem Berliner Landeskriminalamt hätten keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung vorgelegen; Eralp seien vielmehr standardisierte Hinweise zur Risikominimierung gegeben worden.Verhandlungen sollen kommende Woche startenSPD und Grüne hatten die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen bereits zuvor beschlossen. Nach dem Votum der Linken können die Gespräche voraussichtlich in der kommenden Woche beginnen. Die Zustimmung der Berliner Linken öffnet den Weg zu formellen Verhandlungen über ein mögliches Dreierbündnis mit SPD und Grünen. Die Sozialdemokraten und die Grünen hatten diesem Schritt bereits zuvor zugestimmt. Damit liegt die Entscheidung über den Beginn der Gespräche nun bei allen drei beteiligten Parteien.Inhaltlich bildet das Sondierungspapier den Ausgangspunkt für die nächste Phase. Zu den zentralen Vorhaben zählen die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen, der Ausbau von Radwegen und ein günstigeres Sozialticket. Besonders die Vergesellschaftung verleiht den Verhandlungen bundespolitische Bedeutung, weil sie eine weitreichende wohnungspolitische Maßnahme darstellt und auf Widerstand der Union stößt.Streit um Eralp begleitet RegierungsbildungDer Parteitag stand zugleich im Zeichen der Debatte über Elif Eralp und den Umgang der Berliner Linken mit Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und palästinasolidarischen Positionen. Eralp warb für eine Politik, die bezahlbares Wohnen und soziale Fragen in den Mittelpunkt stellt, betonte aber auch die Notwendigkeit, gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit vorzugehen.Für die weiteren Gespräche wird entscheidend sein, wie belastbar die politischen Vereinbarungen zwischen den drei Parteien sind und ob die Linke innerparteiliche Konflikte in eine gemeinsame Regierungslinie überführen kann. Nach dem Parteitagsbeschluss können die Koalitionsverhandlungen in der kommenden Woche beginnen. Ein späterer Koalitionsvertrag müsste anschließend innerhalb der Linken durch eine Urabstimmung bestätigt werden. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentaz: „Parteitag der Berliner Linken: Elif Eralp gibt sich kämpferisch“ (31.10.2026)Der Beitrag beschreibt Eralps kämpferischen Auftritt und ihre Kritik an den Angriffen auf sie und die Partei. Einen zusätzlichen Schwerpunkt setzt er auf die Debatte über Antisemitismus sowie auf den vorgesehenen Polizeischutz für Eralp.tagesschau: „Die Linke in Berlin: Aus dem Trubel in die Koalition?“ (31.10.2026)Der Artikel ordnet die Parteitagsentscheidung in die bundespolitische Debatte und die innerparteilichen Konflikte ein. Im Mittelpunkt stehen neben der möglichen Regierungsbildung auch der Umgang mit Antisemitismusvorwürfen und die Frage, wie die Linke ihre politische Linie in Berlin geschlossen vertreten kann.Beide Beiträge stellen die Zustimmung zu den Koalitionsverhandlungen und Eralps Rolle als zentrale Punkte heraus. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Die taz konzentriert sich stärker auf den Parteitag und Sicherheitsfragen, während die tagesschau die möglichen Folgen für Partei und Regierungsbildung breiter einordnet.