02.11.2026 - 00:00 Uhr

Chatb 28 Prozent junger Nutzer suchen dort persönlichen Rat

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt, dass junge Menschen Chatbots häufig auch bei sensiblen persönlichen Themen einsetzen. Der Verband fordert deshalb verbindliche Sicherheitsregeln für KI-Anbieter.

Junge KI-Nutzer sprechen über persönliche SorgenMehr als jeder vierte junge Nutzer von Künstlicher Intelligenz wendet sich bei Sorgen oder persönlichen Fragen auch an Chatbots. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands, über die die „Rheinische Post“ in ihrer Montagausgabe berichtet.Gesundheit und Gefühle im MittelpunktDemnach führen 28 Prozent der befragten Chatbot-Nutzer mit KI persönliche Gespräche über Sorgen, gesundheitliche oder therapeutische Fragen und emotionale Unterstützung. Die repräsentative Onlinebefragung wurde im Vorfeld des Deutschen Verbrauchertags unter 574 Befragten im Alter von 14 bis 25 Jahren durchgeführt.Unter denjenigen, die persönliche Anliegen mit Chatbots thematisieren, sprachen 55 Prozent über Gesundheitsfragen. 48 Prozent führten Gespräche über Ernährung und Essverhalten, 47 Prozent über Sorgen oder Probleme und 40 Prozent über Beziehungs- und Freundschaftsthemen.Verbraucherschützerin warnt vor riskanten Ratschlägen30 Prozent nutzten einen Chatbot, wenn sie sich einsam fühlen oder gerade niemanden zum Reden haben. Die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, kritisierte, dass sich KI vermenschlichen und problematische Verhaltensweisen bestärken könne.„Ein Chatbot darf sich nicht als bester Freund ausgeben, riskante Ratschläge bei Einsamkeit geben und erst recht keine ungesunden Schlankheitsziele befeuern“, sagte Pop. Sie forderte verbindliche Regeln, die Anbieter zu einer sicheren Gestaltung ihrer KI-Systeme verpflichten.Breite Nutzung und Zustimmung zu SchutzvorgabenInsgesamt haben 93 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten KI-Chatbots genutzt. Zugleich fänden es 91 Prozent gut oder sehr gut, wenn besondere gesetzliche Regeln vor gefährlichen Ratschlägen oder unangemessener Beeinflussung schützen.80 Prozent sprechen sich außerdem dafür aus, dass für KI-Chatbots ein Mindestalter von 13 Jahren gelten soll. Die Ergebnisse zeigen, wie schnell Chatbots im Alltag junger Menschen Funktionen übernehmen, die bislang vor allem Freunden, Familie, Beratungsstellen oder medizinischem Personal vorbehalten waren. Besonders relevant ist die Kombination aus hoher allgemeiner Nutzung und persönlichen Themen: Wenn 93 Prozent der Befragten bereits KI-Chatbots verwendet haben, erreichen solche Systeme eine große Zahl junger Nutzer unmittelbar.Die abgefragten Themen reichen von Gesundheits- und Ernährungsfragen bis zu Einsamkeit und Beziehungen. Damit betreffen sie Bereiche, in denen falsche, unangemessene oder zu selbstsichere Antworten erhebliche Folgen haben können. Ein Chatbot kann zwar rund um die Uhr verfügbar sein und Hemmschwellen senken, ersetzt aber weder eine fachliche Diagnose noch eine verlässliche psychologische oder soziale Begleitung.Schutzregeln für besonders sensible GesprächeDie breite Zustimmung zu gesetzlichen Schutzvorgaben verweist auf ein Spannungsfeld: Junge Menschen nutzen KI selbstverständlich, erwarten zugleich aber Leitplanken gegen gefährliche Ratschläge und unangemessene Beeinflussung. Für Anbieter bedeutet das, Systeme bei Hinweisen auf Krisen, Essstörungen, gesundheitliche Risiken oder starke Einsamkeit vorsichtiger reagieren zu lassen und auf geeignete Hilfsangebote zu verweisen.Die Debatte dürfte damit über Datenschutz und Transparenz hinausgehen. Entscheidend wird sein, wie altersgerechte Zugänge, Warnhinweise, Krisenerkennung und die Verantwortung der Anbieter konkret ausgestaltet werden, ohne jungen Nutzern den Zugang zu nützlichen Informationen pauschal zu versperren.