29.10.2026 - 08:14 Uhr

Kommunale Schulden steigen 2025 auf 378,9 Milliarden Euro

Die integrierten kommunalen Schulden erreichten Ende 2025 bundesweit 378,9 Milliarden Euro. Zwischen den Ländern bestehen erhebliche Unterschiede: Hessen liegt je Einwohner vorn, Brandenburg am unteren Ende.

Kommunale Schulden erreichen 378,9 Milliarden EuroDie integrierten Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände sind 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres belief sich das kommunale Schuldenvolumen einschließlich Beteiligungen am nicht-öffentlichen Bereich auf 378,9 Milliarden Euro.Gegenüber dem Jahresanfang nahm die Verschuldung um 9,9 Prozent zu, nach 6,3 Prozent im Vorjahr. Pro Einwohner ergab sich ein Betrag von 4.907 Euro.Kern- und Extrahaushalte treiben AnstiegDie Modellrechnung berücksichtigt neben den kommunalen Kernhaushalten auch Extrahaushalte sowie sonstige öffentliche Fonds, Einrichtungen und Unternehmen bis in tiefere Beteiligungsstufen. Die Schulden der Kernhaushalte stiegen 2025 um 15,5 Prozent, die der Extrahaushalte um 14,7 Prozent.Beide Bereiche verzeichneten damit im zweiten Jahr in Folge ein Rekorddefizit. Die Schulden kommunaler Beteiligungen an sonstigen öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen wuchsen im Vorjahresvergleich um 4,5 Prozent.Hessen weist höchsten Pro-Kopf-Wert aufAm höchsten war die integrierte Pro-Kopf-Verschuldung in Hessen. Dort entfielen Ende 2025 durchschnittlich 6.763 Euro auf jeden Einwohner, ein Anstieg um 7,4 Prozent.Es folgten die Kommunen im Saarland mit 6.408 Euro je Einwohner. Noch Ende 2023 hatte das Saarland den höchsten Pro-Kopf-Wert unter den Ländern ausgewiesen.Brandenburg bleibt am unteren EndeDie niedrigsten Schuldenstände je Einwohner meldeten Brandenburg mit 2.733 Euro, Sachsen mit 3.338 Euro und Thüringen mit 3.692 Euro. In allen Bundesländern stiegen die integrierten kommunalen Schulden im Jahr 2025.Die stärksten Zuwächse verzeichneten Niedersachsen mit 13,3 Prozent und Baden-Württemberg mit 13,1 Prozent. Dahinter folgten Schleswig-Holstein mit 11,5 Prozent und Bayern mit 11,1 Prozent; deren Pro-Kopf-Werte lagen mit 4.166 beziehungsweise 3.851 Euro weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt.Entschuldungsprogramme beeinflussen LänderwerteIn Rheinland-Pfalz stiegen die integrierten kommunalen Schulden nach einem Rückgang von 10,2 Prozent im Vorjahr wieder um 8,3 Prozent. 2025 übernahm das Land über das Programm „Partnerschaft zur Entschuldung der Kommunen in Rheinland-Pfalz“ nur noch ein geringes Volumen kommunaler Liquiditätskredite.Den geringsten Anstieg gab es im Saarland mit 2,3 Prozent, gefolgt von Thüringen mit 2,9 Prozent. Im Saarland wurden im Rahmen des Saarlandpakts weiterhin Kassenkredite kommunaler Kernhaushalte vom Land übernommen.Thüringen war das einzige Bundesland mit einem Rückgang der Kernhaushaltsschulden. Diese sanken dort um 5,3 Prozent. Die integrierte Schuldenrechnung erfasst nicht nur die Kernhaushalte von Gemeinden und Gemeindeverbänden. Einbezogen werden auch kommunale Extrahaushalte sowie öffentliche Fonds, Einrichtungen und Unternehmen bis in tiefere Beteiligungsstufen. Dadurch bildet die Kennzahl die finanzielle Belastung der kommunalen Ebene umfassender ab als eine Betrachtung der Kernhaushalte allein.Der Anstieg fällt 2025 deutlich stärker aus als im Vorjahr. Besonders stark wuchsen die Schulden der kommunalen Kernhaushalte und Extrahaushalte. Zugleich weisen diese Bereiche im zweiten Jahr nacheinander ein Rekorddefizit auf. Das deutet auf einen anhaltenden Druck bei laufenden Ausgaben und Investitionen hin, der sich nicht auf einzelne Kommunen oder ein einzelnes Bundesland beschränkt.Unterschiede zwischen den LändernDie Spannweite zwischen den Ländern bleibt groß. Hessen weist mit 6.763 Euro je Einwohner den höchsten integrierten Schuldenstand auf, während Brandenburg mit 2.733 Euro den niedrigsten Wert erreicht. Solche Unterschiede hängen unter anderem mit früheren Haushaltslagen, Wirtschaftsstruktur, kommunalen Aufgaben und landespolitischen Entschuldungsprogrammen zusammen.Die Entwicklung zeigt zugleich, dass Entschuldungshilfen die Belastung einzelner Länder beeinflussen können. Im Saarland begrenzte die Übernahme von Kassenkrediten im Saarlandpakt den Anstieg, in Rheinland-Pfalz wirkte das Programm PEK-RP im Vergleich zum Vorjahr nur noch in geringerem Umfang. Für Bürger können wachsende kommunale Schulden den Spielraum für freiwillige Angebote, Investitionen und Gebührenpolitik einengen.Finanzielle Folgen für KommunenDie Belastung trifft nicht alle Bereiche gleichermaßen. Pflichtaufgaben müssen weiterhin finanziert werden, während freiwillige Leistungen bei angespannten Haushalten eher zur Disposition stehen. Damit kann sich der finanzielle Druck in sichtbaren Einschränkungen bei Kultur, Jugendangeboten, Infrastruktur oder kommunalen Dienstleistungen niederschlagen. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenWDR: „90 Prozent sind Pflicht und nur zehn Prozent Kür“ (28.10.2026)Der Beitrag ordnet die angespannte Finanzlage kommunaler Haushalte anhand der Trennung zwischen Pflichtaufgaben und freiwilligen Leistungen ein. Er bestätigt den eingeschränkten Handlungsspielraum, setzt den Schwerpunkt aber auf mögliche Folgen für Bibliotheken, Jugendtreffs und andere freiwillige Angebote; die bundesweiten Schuldenzahlen stehen nicht im Mittelpunkt.Gemeinsam ist beiden Darstellungen der Befund, dass finanzielle Engpässe den kommunalen Gestaltungsspielraum verkleinern. Offen bleibt, wie stark einzelne Städte und Gemeinden ihre Leistungen tatsächlich einschränken müssen.