26.10.2026 - 15:00 Uhr

Serbien: Mijatovic fordert EU-Hilfe nach Vucic-Abwahl

Der Grünen-Außenpolitiker Boris Mijatovic fordert nach dem Wahlsieg der Studentenliste mehr Unterstützung für Serbien. Er warnt zugleich vor politischen und institutionellen Blockaden durch Aleksandar Vucic.

Mijatovic fordert EU-Unterstützung für SerbienDer Grünen-Außenpolitiker Boris Mijatovic hat Bundesregierung und EU-Kommission nach der Abwahl von Aleksandar Vucic zu einem entschiedeneren Vorgehen gegenüber Serbien aufgefordert. Die Europäische Union müsse konsistenter, erreichbarer und präsenter sein, sagte Mijatovic dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.Beitrittsprozess könnte wieder an Tempo gewinnenMit der von der siegreichen Studentenliste gegründeten neuen Regierung könne sich der EU-Beitritt Serbiens beschleunigen, erklärte Mijatovic. Voraussetzung sei eine Regierung, die sich um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bemühe.Europa müsse der neuen Regierung schnell Unterstützung anbieten. Für die Wiederherstellung demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen brauche es nach Mijatovics Einschätzung internationale Anerkennung.Studentenliste steht vor hohen ErwartungenMijatovic bezeichnete die Wahl als großen Moment für Serbien. Zugleich verwies er auf die fehlende politische Ausformung der Studentenliste, die noch keine fertige Partei mit einem klaren Programm für alle Themen sei.Die Erwartungen der Bevölkerung an schnelle Veränderungen seien dennoch riesig. Viele Änderungen ließen sich jedoch nicht von heute auf morgen umsetzen.Vucic bleibt politischer GegenspielerDass Vucic seine Wahlniederlage schnell eingeräumt habe, nannte Mijatovic ein „vergiftetes Geschenk“. Als Oppositionsführer könne Vucic darauf setzen, die neue Regierung auseinanderzunehmen.Zudem seien zahlreiche Strukturen weiterhin von Vucics Leuten dominiert, darunter Ministerien, der Flughafen, die Telefongesellschaft und der Geheimdienst. Dadurch lasse sich viel blockieren, sagte Mijatovic.Vucic könne durch die Anerkennung des Wahlergebnisses politisch im Geschäft bleiben und international damit werben, sich als Demokrat erwiesen zu haben. Mijatovic hatte die Wahl als OSZE-Wahlbeobachter vor Ort verfolgt. Serbien steht nach dem Wahlsieg der Studentenliste vor einem politischen Neuaufbruch. Die Bewegung tritt nicht als lang etablierte Partei mit geschlossenem Programm an, sondern muss aus einer Protestmobilisierung eine tragfähige Regierungsorganisation entwickeln. Das erhöht den Erwartungsdruck: Viele Bürger verbinden mit dem Machtwechsel nicht nur einen neuen Kurs, sondern schnelle Verbesserungen bei Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und staatlicher Verwaltung.Für den EU-Beitrittsprozess ist entscheidend, ob die neue Führung institutionelle Reformen tatsächlich umsetzt. Dazu gehören unabhängige Gerichte, transparente Wahlen, eine funktionierende Gewaltenteilung und ein verlässlicher Umgang mit Medien und Zivilgesellschaft. Ein stärkeres europäisches Engagement könnte dabei politische und administrative Unterstützung liefern, ersetzt aber nicht die Reformentscheidungen in Belgrad.Neue Regierung vor schwieriger MachtübernahmeDie Machtübergabe dürfte zudem durch bestehende Netzwerke erschwert werden. Wenn wichtige staatliche und wirtschaftliche Einrichtungen weiterhin von Anhängern des bisherigen Machtlagers geprägt sind, kann die neue Regierung Entscheidungen verzögern oder blockieren. Zugleich bleibt Aleksandar Vucic als Oppositionsführer politisch einflussreich. Seine Anerkennung der Niederlage verschafft dem Machtwechsel zunächst Legitimität, lässt ihm aber zugleich Raum, die neue Regierung parlamentarisch und öffentlich unter Druck zu setzen.Für die EU entsteht daraus ein Balanceproblem. Brüssel muss die neue Führung rasch unterstützen, ohne institutionelle Standards zugunsten eines schnellen Beitrittsprozesses abzusenken. Für Bürger in Serbien wird sich der Erfolg des Machtwechsels deshalb vor allem daran messen, ob aus dem Wahlsieg belastbare Reformen und eine verlässlichere staatliche Praxis entstehen. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenEuronews: „Serbiens Machtpolitiker unterliegt: Studentenbewegung siegt“ (26.10.2026)Der Beitrag bestätigt den Wahlsieg der Studentenbewegung und richtet den Blick auf ihren künftigen EU-Kurs. Als Schwerpunkt wird die Einschätzung genannt, dass die Liste zunächst innenpolitische Reformen priorisieren könnte.Tagesschau: „Wahl in Serbien: Vucic räumt Niederlage ein“ (26.10.2026)Die Meldung hebt neben der eingeräumten Niederlage die Reaktion der Europäischen Union hervor. EU-Spitzenvertreter gratulierten der Studentenliste und stellten eine enge Zusammenarbeit in Aussicht, während die konkrete Regierungsbildung offenbleibt.Beide Beiträge bestätigen den Machtwechsel und die europäische Aufmerksamkeit. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Euronews thematisiert den erwarteten innenpolitischen Reformkurs, die Tagesschau die unmittelbare Reaktion der EU.