CSU-Chef Markus Söder wirbt für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier. Über den gemeinsamen Vorschlag von CDU, CSU und SPD soll möglichst noch im November entschieden werden.
Söder wirbt für Aigner als Nachfolgerin SteinmeiersBayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder bekräftigt den Anspruch seiner Partei, Ilse Aigner als Bundespräsidentin ins Rennen zu schicken. In einem ARD-Interview verweist er darauf, dass die CSU in 75 Jahren weder den Bundeskanzler noch den Bundespräsidenten gestellt habe.CSU sieht sich bei Staatsamt an der ReiheDie CDU habe sich zwar für eine Frau ausgesprochen, bislang aber selbst keinen Vorschlag unterbreitet, sagte Söder. Andere Namen habe er nicht gehört.Auf die Frage nach einer juristischen Ausbildung für das höchste Staatsamt erklärte der CSU-Chef, der Bundespräsident müsse kein Notar sein, sondern Autorität besitzen. Entscheidend seien die demokratische, persönliche und charakterliche Eignung einer Persönlichkeit und nicht allein deren Parteizugehörigkeit.Union und SPD müssen sich verständigenSöder betonte zugleich, die Entscheidung über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sei weder Sache der CDU allein noch der CSU. CDU, CSU und SPD müssten rechtzeitig zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen.Als möglichen Zeitpunkt nannte der CSU-Chef November. Die CSU unterstützt Aigner auf ihrem Parteitag in München; die bayerische Landtagspräsidentin hat sich bislang nicht dazu erklärt, ob sie für das höchste deutsche Staatsamt kandidieren will.
Die Bundespräsidentenwahl wird voraussichtlich Ende Januar stattfinden und damit deutlich vor dem Ende der zweiten Amtszeit Frank-Walter Steinmeiers entschieden. Eine mögliche Kandidatur Ilse Aigners verbindet mehrere politische Ebenen: Die CSU beansprucht erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik das höchste Staatsamt, während die CDU bislang keine eigene Person benannt hat.Für die Union geht es dabei nicht nur um die Auswahl einer geeigneten Persönlichkeit, sondern auch um das Verhältnis zwischen Schwesterparteien. Die CSU stellt mit Aigner eine erfahrene Landespolitikerin auf, die als Präsidentin des Bayerischen Landtags über ein repräsentatives Amt verfügt. Söder versucht zugleich, eine Festlegung der CDU zu verhindern, bevor die Unionsparteien gemeinsam mit der SPD über eine Mehrheit in der Bundesversammlung verhandeln.Entscheidung der KoalitionspartnerDie Bundesversammlung wählt den Bundespräsidenten mit der Mehrheit ihrer Mitglieder. Deshalb reicht ein unionsinterner Vorschlag allein nicht aus: CDU, CSU und SPD müssen sich auf eine mehrheitsfähige Kandidatur verständigen. Eine frühe Einigung könnte den Wettbewerb innerhalb der Union begrenzen; bleibt sie aus, könnten weitere Namen oder parteiübergreifende Vorschläge an Bedeutung gewinnen.Für Bürgerinnen und Bürger ist die Personalentscheidung vor allem wegen der Rolle des Bundespräsidenten relevant. Das Staatsoberhaupt unterzeichnet Gesetze, ernennt die Bundesregierung und repräsentiert Deutschland nach innen und außen. Die Debatte über Aigner wird daher voraussichtlich sowohl ihre persönliche Eignung als auch die parteipolitische Balance in der Regierungskoalition betreffen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenFrankfurter Rundschau: „CSU-Parteitag: Delegierte brechen in Jubel und Applaus aus, als Merz namentlich Aigner begrüßt“ (24.10.2026)Der Beitrag beschreibt den Parteitag als Bühne für die Unterstützung Aigners und hebt hervor, dass die CDU bislang keine Festlegung auf die CSU-Politikerin getroffen hat. Einen zusätzlichen Schwerpunkt setzt er auf die erwartete Reaktion von Friedrich Merz und den innerparteilichen Druck auf die Union.Bayerischer Rundfunk: „CSU macht sich auf Parteitag für Ilse Aigner als Bundespräsidentin stark“ (24.10.2026)Der Bayerische Rundfunk stellt den Auftritt in München und die Ermutigung Söders in den Mittelpunkt. Anders als der ausführlichere Parteitagsbericht konzentriert sich der Beitrag auf Aigners bislang ausstehende eigene Erklärung und die offene Haltung der CDU.Beide Beiträge bestätigen den CSU-Vorstoß und die Unterstützung Söders. Offen bleibt vor allem, ob Aigner selbst kandidieren will und ob CDU und SPD den CSU-Vorschlag gemeinsam tragen.