Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will die elf Raffinerien in Deutschland langfristig sichern und dafür einen Dialog mit der Mineralölwirtschaft starten. Grünen-Politiker Michael Kellner warnt vor einer Verlängerung fossiler Geschäftsmodelle und fordert Investitionen in klimafreundliche Alternativen.
Grüne weisen Reiches Raffineriepläne zurückDie Grünen kritisieren die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Erhalt der Raffinerien in Deutschland als Verlängerung fossiler Geschäftsmodelle. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, bezeichnete die Raffineriestrategie als Versuch, eine „Laufzeitverlängerung für Öl“ zu erreichen.Kellner fordert grüne GeschäftsfelderRaffinerien bräuchten Unterstützung für neue grüne Geschäftsfelder, sagte Kellner der „Rheinischen Post“. Staatliche Hilfe dürfe nicht dazu dienen, den klima- und naturzerstörenden Ölverbrauch zu verlängern.Der Ölverbrauch in Deutschland sinke, erklärte der Grünen-Politiker. Dieser Prozess müsse beschleunigt fortgesetzt werden, um eine größere Unabhängigkeit von Donald Trump, Wladimir Putin und weiteren Akteuren zu erreichen.Strategieprozess für elf StandorteReiche startete an diesem Freitag den Prozess zur Erarbeitung einer Raffineriestrategie. Ziel ist es, die elf bestehenden Raffinerien in Deutschland langfristig zu sichern.Das Wirtschaftsministerium will dazu einen Dialog mit der Mineralölwirtschaft führen. In den Prozess sollen außerdem Bundesländer, Gewerkschaften und betroffene Industriezweige einbezogen werden; am Ende soll ein Strategiepapier dem Kabinett vorgelegt werden.
Raffinerien stehen an der Schnittstelle von Energieversorgung, Industriepolitik und Klimaschutz. Die elf deutschen Standorte verarbeiten Rohöl zu Kraftstoffen und stellen zugleich Vorprodukte für Branchen wie Chemie und Pharma bereit. Damit betrifft ihre Zukunft nicht nur den Tankstellenmarkt, sondern auch industrielle Lieferketten.Versorgung und industrieller UmbauDie Bundesregierung verbindet den Erhalt der Standorte mit einem schrittweisen Umbau auf klimafreundlichere Energieträger. Dieser Ansatz soll die Versorgungssicherheit sichern und zugleich Investitionen in nachhaltige Rohstoffe ermöglichen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wären dafür Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich.Der politische Konflikt verläuft entlang der Frage, wie lange fossile Verarbeitungskapazitäten wirtschaftlich und klimapolitisch abgesichert werden sollen. Die Grünen verlangen, staatliche Unterstützung stärker an neue Geschäftsfelder zu binden, während die Strategie der Ministerin zunächst die langfristige Sicherung der bestehenden Standorte in den Mittelpunkt stellt.Was nun auf dem Spiel stehtFür Beschäftigte, Raffineriestandorte und nachgelagerte Industrien wird entscheidend sein, welche konkreten Instrumente das geplante Strategiepapier vorsieht. Dazu zählen die Beteiligung der Länder, Gewerkschaften und betroffenen Industriezweige sowie die spätere Befassung des Bundeskabinetts.Die aktuelle Debatte fällt zudem in eine Phase, in der die deutsche Raffinerieproduktion im ersten Halbjahr 2026 bei Benzin und Diesel zulegte. Das unterstreicht die kurzfristige Bedeutung der Anlagen, löst aber nicht die langfristige Frage, wie Versorgungssicherheit und sinkender fossiler Verbrauch miteinander vereinbart werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenntv: „Bundesregierung sorgt für Sicherung und Klimafreundlichen Ausbau von Raffinerien“ (23.10.2026)Der Beitrag hebt neben der Sicherung der elf Standorte den geplanten Umbau auf klimafreundlichere Energieträger hervor. Zusätzlich nennt er die jährliche Verarbeitungskapazität von gut 92 Millionen Tonnen Rohöl und die Bedeutung der Raffinerien für Chemie und Pharma.Deutschlandfunk: „Sicherung der Raffinerien - Bundesregierung startet Strategie“ (23.10.2026)Der Deutschlandfunk bestätigt den Start des Dialogs mit der Mineralölwirtschaft und die geplante Vorlage eines Strategiepapiers im Kabinett. Anders als der ntv-Beitrag konzentriert er sich stärker auf den politischen Prozess und die Einbindung von Ländern, Gewerkschaften und betroffenen Industriezweigen.Beide Beiträge stellen die Sicherung der Standorte und den klimafreundlichen Umbau in den Mittelpunkt. Unterschiede liegen vor allem bei der Gewichtung von industrieller Bedeutung, Kapazitäten und Verfahrensfragen; offen bleibt, welche konkreten Maßnahmen die Strategie enthalten wird.