27.10.2026 - 12:00 Uhr

EU und Kanada starten in Montreal neue Partnerschaftsallianz

Die Europäische Union und Kanada wollen ihre politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit ausweiten. Eine von Ursula von der Leyen angeregte assoziierte Mitgliedschaft steht beim Gipfel jedoch nicht auf der offiziellen Agenda.

EU und Kanada planen neue PartnerschaftsallianzDie EU und Kanada wollen ihre Beziehungen bei einem Gipfeltreffen am 29. und 30. Oktober in Montreal auf eine neue Stufe heben. Eine assoziierte Mitgliedschaft Kanadas in der Union ist in den offiziellen Dokumenten vor dem EU-Canada Summit jedoch nicht vorgesehen.Alliance for the Future soll Zusammenarbeit bündelnGeplant ist der Start einer sogenannten Alliance for the Future, wie aus Brüssel mitgeteilt wurde. Der Begriff war zuvor von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verwendet worden.Von der Leyen hatte dabei auch einen Sonderstatus Kanadas angesprochen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete ein entsprechendes Vorhaben als feindseligen Akt und drohte mit Zöllen. Kanadas Premierminister Mark Carney betonte zuletzt, sein Land strebe keine EU-Mitgliedschaft an.Handel und Sicherheit stehen auf der AgendaIn Montreal sollen unter anderem Handel, Digitalisierung, kritische Rohstoffe, Verteidigung, Sicherheit sowie Bildung, Forschung und Jugend besprochen werden. EU-Ratspräsident António Costa kündigte an, die politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Bindungen weiter zu vertiefen.CETA bildet wirtschaftliche GrundlageDie Partnerschaft stützt sich auf das 2016 unterzeichnete Strategische Partnerschaftsabkommen und das Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA. Das SPA regelt den politischen Dialog und die Zusammenarbeit bei internationalen Herausforderungen.CETA soll Zölle und Handelshemmnisse abbauen und die Bedingungen für Unternehmen und Investoren verbessern. Auf 98 Prozent der Zolltarifpositionen wurden die Zölle abgeschafft; die meisten übrigen Zölle sollen schrittweise entfallen.Handel überschreitet 2025 die Marke von 130 Milliarden EuroDer Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Kanada erreichte 2025 rund 130 Milliarden Euro. Damit lag das Volumen mehr als 80 Prozent über dem Wert von 2016.Sicherheitspartnerschaft erweitert KooperationIm Juni 2025 schlossen EU und Kanada zusätzlich eine Sicherheitspartnerschaft. Sie umfasst unter anderem Krisenmanagement, maritime Sicherheit, Cyberbedrohungen und die Verteidigungsindustrie.Kanada ist außerdem das einzige Nicht-EU-Land außerhalb Europas, das am EU-Verteidigungsinstrument Safe beteiligt ist. Dadurch können kanadische Unternehmen und Produkte unter bestimmten Bedingungen an gemeinsamen Beschaffungsprojekten der EU-Mitgliedstaaten teilnehmen. Der Gipfel in Montreal fällt in eine Phase, in der die EU und Kanada ihre Zusammenarbeit über klassische Handelsfragen hinaus ausbauen. Neben dem Waren- und Dienstleistungsaustausch rücken digitale Technologien, kritische Rohstoffe, Energie- und Lieferketten sowie sicherheitspolitische Themen stärker in den Mittelpunkt.Die wirtschaftliche Grundlage bleibt CETA. Das Abkommen senkt Zölle und erleichtert Unternehmen den Marktzugang, ist politisch aber weiterhin nicht in allen EU-Mitgliedstaaten vollständig ratifiziert. Die von der dts-Meldung genannte Handelsentwicklung seit 2016 zeigt, dass die Partnerschaft bereits deutlich an wirtschaftlichem Gewicht gewonnen hat.Sicherheit und strategische RohstoffeMit der Sicherheitspartnerschaft vom Juni 2025 wurde der Rahmen um Krisenmanagement, maritime Sicherheit, Cyberabwehr und Verteidigungsindustrie erweitert. Kanadas Beteiligung am EU-Instrument Safe verbindet diese politische Annäherung mit konkreten Möglichkeiten für gemeinsame Beschaffung.Die geplante Alliance for the Future kann daher als institutioneller Rahmen für eine breitere Zusammenarbeit verstanden werden. Zugleich bleibt die Zurückhaltung bei einer assoziierten Mitgliedschaft politisch bedeutsam: Der Gipfel soll die Beziehungen vertiefen, ohne Kanadas Status innerhalb der EU neu zu definieren.Bedeutung für die transatlantischen BeziehungenFür die EU bietet die engere Kooperation mit Kanada zusätzliche Spielräume bei Handel, Technologie und Sicherheit. Für Kanada eröffnet sie einen größeren Zugang zu europäischen Partnern und Beschaffungsprojekten. Die konkrete Tragweite des Gipfels wird davon abhängen, ob aus den politischen Ankündigungen verbindliche Vorhaben und gemeinsame Finanzierungen entstehen.