Der CDU-Außenpolitiker hält weitere militärische Eskalation für ungeeignet, um den Konflikt zu entscheiden. Europa sieht Röttgen in einer reaktiven Rolle mit begrenzten Einflussmöglichkeiten.
Röttgen bewertet US-Kurs im Iran-KriegCDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sieht im Krieg gegen Iran keine Möglichkeit für einen militärischen Sieg der USA und von Präsident Donald Trump. Eine weitere Eskalation könne zwar mehr zerstören, aber keinen Sieg bringen, sagte Röttgen am Montag in der ntv-Sendung „Pinar Atalay“.Militärischer Druck als DrohgebärdeRöttgen bezeichnete das militärische Vorgehen derzeit eher als Drohgebärde, mit der Iran zu einer politischen Lösung bewegt werden solle. Eine weitere Eskalation wäre aus seiner Sicht nicht rational und würde die USA schwer ins Unrecht setzen.Am wahrscheinlichsten sei allerdings eine Fortsetzung des Kriegszustands noch für längere Zeit, sagte der CDU-Politiker. Damit rechnet er nicht mit einer schnellen Entscheidung durch den Einsatz militärischer Gewalt.Europa bleibt in reaktiver RolleDeutschland und Europa sieht Röttgen dem Konflikt ausgeliefert. Europa habe in der Region „ziemlich wenig Einfluss“ und keine Machtinstrumente, um eine Rolle zu spielen, sagte er.Die europäischen Staaten seien deshalb auf der reaktiven Seite und hätten auch dort nur „sehr bescheidene Möglichkeiten“. Röttgen verwies damit auf die begrenzten politischen und sicherheitspolitischen Mittel Europas gegenüber den Entscheidungen der USA und Irans.
Röttgens Einschätzung fällt in eine Phase, in der militärischer Druck und diplomatische Signale gleichzeitig den Konflikt bestimmen. Aktuelle Berichte verweisen auf Gespräche über eine mögliche Beendigung des Kriegs sowie auf die weiterhin offene Möglichkeit neuer US-Angriffe. Damit bleibt die von Röttgen beschriebene Spannung zwischen Eskalation und politischer Lösung zentral.Besondere Bedeutung hat die Straße von Hormus. Eine mögliche Öffnung binnen kurzer Frist könnte den Druck auf Energieversorgung, Schifffahrt und internationale Märkte verringern. Umgekehrt würden neue Kämpfe oder eine länger andauernde Sperrung die wirtschaftlichen Folgen über die unmittelbar beteiligten Staaten hinaus verschärfen.Europas begrenzter EinflussFür Deutschland und die EU verbindet sich der Konflikt deshalb mit sicherheits-, energie- und außenpolitischen Risiken. Europa kann politische Gespräche unterstützen und humanitäre Folgen abfedern, verfügt aber nur über begrenzte Mittel, um die militärischen Entscheidungen Washingtons oder Teherans zu bestimmen. Röttgens Hinweis auf die reaktive Rolle Europas beschreibt damit ein strukturelles Problem: Die Folgen des Konflikts treffen Europa unmittelbar, während die entscheidenden Hebel überwiegend außerhalb Europas liegen.Für die weitere Entwicklung sind vor allem drei Punkte maßgeblich: ob die Gespräche über die Straße von Hormus Fortschritte bringen, ob Washington von neuen Angriffen absieht und ob Teheran zu einer belastbaren politischen Vereinbarung bereit ist. Solange diese Fragen offenbleiben, bleibt eine Fortsetzung des Kriegszustands wahrscheinlicher als eine schnelle Entspannung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenEuronews: „Ölpreis fällt bei Hormus-Gesprächen – Trump hält Iran-Angriffe offen“ (02.11.2026)Der Beitrag stellt die Gespräche über die Straße von Hormus und Trumps weiterhin offene Drohung mit Angriffen in den Mittelpunkt. Damit bestätigt er die Verbindung von Verhandlung und militärischem Druck, konzentriert sich aber stärker auf die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen.Stern: „Zwei Tage vor US-Kongresswahlen: Trump bekräftigt Drohung gegen Iran“ (02.11.2026)Der Artikel hebt Trumps erneute Drohung mit Angriffen zwei Tage vor den US-Kongresswahlen hervor. Im Unterschied zur strategischen Bewertung Röttgens liegt der Schwerpunkt damit auf dem politischen Zeitpunkt und der innenpolitischen Dimension in den USA.Gemeinsam ist den Beiträgen, dass militärische Eskalationsdrohungen und Gespräche parallel laufen. Unterschiede zeigen sich beim Schwerpunkt: wirtschaftliche Risiken, politische Terminlage und die grundsätzliche Frage nach einer tragfähigen Lösung bleiben miteinander verbunden.