23.10.2026 - 10:42 Uhr

Serbien: 150.000 demonstrieren vor Parlamentswahl gegen Vucic

Wenige Tage vor der Parlamentswahl haben sich in Belgrad rund 150.000 Menschen hinter der oppositionellen Studentenliste versammelt. Die Bewegung will die langjährige Vorherrschaft von Aleksandar Vucics SNS beenden.

Studentenliste mobilisiert vor Wahl in BelgradWenige Tage vor der Parlamentswahl in Serbien haben Zehntausende Anhänger der Opposition in Belgrad für ein Ende der Regierung von Aleksandar Vucic demonstriert. Die Anhänger der Studentenliste zogen am Donnerstagabend durch die Straßen der Hauptstadt und versammelten sich auf dem Slavija-Platz.Rund 150.000 Menschen bei KundgebungRund 150.000 Menschen sollen an der Kundgebung teilgenommen haben. Die Studentenliste will bei der Parlamentswahl am Sonntag die seit mehr als 14 Jahren andauernde Regierung von Vucics rechtspopulistischer Serbischer Fortschrittspartei beenden.Vucic strebt erneut Regierungsamt anVucic war Ende September von seinem Amt als Präsident zurückgetreten. Nun kandidiert er für den Posten des Regierungschefs, den er bereits vor seiner Präsidentschaft innehatte.Proteste begannen nach Unglück in Novi SadDie Protestbewegung entstand nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Zunächst forderten die Demonstranten die Aufarbeitung des Unglücks, später weiteten sie ihre Kritik auf die Regierung und Korruption aus.Vorwürfe und unsicherer WahlausgangVucic bezeichnete die Proteste als vom Ausland finanzierten Putschversuch und rief seine Anhänger dazu auf, den Staat zu schützen und die Opposition zu besiegen. Die Opposition beklagte im Wahlkampf Einschüchterungen und den Missbrauch öffentlicher Gelder.Prognosen zum Wahlausgang sind unsicher, zugleich wird ein starkes Ergebnis der Studentenliste erwartet. Die Kundgebung in Belgrad markiert den Übergang einer zunächst aufklärungsorientierten Protestbewegung zu einem direkten politischen Wettbewerb. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen starben. Die Forderung nach Aufarbeitung und Verantwortlichkeit entwickelte sich anschließend zu einer breiteren Kritik an Korruption und der langjährigen Dominanz der Serbischen Fortschrittspartei.Für die vorgezogene Parlamentswahl tritt die Studentenliste damit nicht nur als außerparlamentarische Bewegung, sondern als organisierte politische Kraft an. Meinungsumfragen sehen sie in einem engen Rennen mit der SNS. Die Größenordnung der Kundgebung zeigt, dass die Bewegung auch außerhalb der Hochschulen mobilisieren kann, ersetzt aber keine Aussage über die tatsächliche Stimmenverteilung am Wahltag.Wahlkampf unter hoher SpannungDer Machtwechsel wäre politisch weitreichend, weil Aleksandar Vucic die serbische Politik seit mehr als 14 Jahren prägt und nach seinem Rücktritt vom Präsidentenamt nun erneut Regierungschef werden will. Die Proteste verbinden deshalb die Aufarbeitung des Unglücks mit Fragen nach Machtkonzentration, Korruption und dem Umgang mit staatlichen Ressourcen.Für die Wähler entscheidet sich am Sonntag, ob die Studentenliste ihren Mobilisierungserfolg in ein starkes Wahlergebnis übertragen kann. Zugleich bleibt offen, wie sich die von der Opposition beklagten Einschüchterungen und der behauptete Missbrauch öffentlicher Gelder auf den Wahlkampf und die Anerkennung des Ergebnisses auswirken. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenZDFheute: „Zehntausende demonstrieren vor Parlamentswahl in Serbien“ (23.10.2026)Der Beitrag bestätigt die Mobilisierung der Studentenliste in Belgrad und nennt rund 150.000 Teilnehmer. Einen Schwerpunkt legt er auf die Entstehung der Bewegung nach dem Unglück von Novi Sad sowie auf Vucics Wechsel vom Präsidentenamt zum angestrebten Posten des Regierungschefs.Deutschlandfunk: „Vor Parlamentswahl Serbien: Zehntausende Anhänger der Opposition demonstrieren in Belgrad“ (23.10.2026)Der Bericht bestätigt den Protestzug und ordnet die Studentenliste als Herausforderin der seit 14 Jahren dominierenden SNS ein. Anders als der ZDF-Beitrag hebt er ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Umfragen hervor; offen bleibt auch hier der tatsächliche Ausgang der Wahl.Beide Beiträge stimmen beim Ort, beim Zeitpunkt und bei der Größe der Mobilisierung überein. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung: Während ZDFheute stärker Vorgeschichte und Vucics Rollenwechsel erläutert, konzentriert sich der Deutschlandfunk auf den Wahlwettbewerb.