03.11.2026 - 05:00 Uhr

Trump könnte Iran nach Midterms erneut angreifen, warnt Gabriel

Sigmar Gabriel erwartet nach den US-Zwischenwahlen mehr außenpolitischen Druck durch Donald Trump und warnt vor einem erneuten Angriff auf Iran. Europa müsse sich zugleich wirtschaftlich und militärisch stärker auf eine veränderte US-Politik einstellen.

Gabriel warnt vor neuem Trump-Angriff auf IranDer frühere SPD-Vorsitzende und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel befürchtet, dass US-Präsident Donald Trump nach den Zwischenwahlen am Dienstag außenpolitisch noch aggressiver auftritt. In einem Podcast sagte Gabriel, die Gefahr sei groß, dass Trump unmittelbar nach der Wahl den Iran wieder angreift.Trump könnte außenpolitisch freier handelnVerliere Trump die Wahlen, gerate er innenpolitisch stärker unter Druck, erklärte Gabriel. In der Außenpolitik sei der Präsident dagegen relativ frei, weil weder eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Senat gegen ihn noch ein erfolgreiches Amtsenthebungsverfahren zu erwarten seien.Europa soll sich auf Belastungen einstellenGabriel forderte Europa auf, nach dem Prinzip „Hoping for the best, preparing for the worst“ zu handeln. Die USA würden sich grundsätzlich stärker auf den Indopazifik konzentrieren und Europa weniger in den Mittelpunkt stellen.Daraus folge für Europa der Auftrag, wirtschaftlich stärker zu werden und die Verteidigungspolitik auszubauen. Nur dann könne Europa wieder ein ernst zu nehmender Partner für die USA werden, sagte der frühere Außenminister.Demokraten vor Machtgewinn im RepräsentantenhausFür die Wahl rechnet Gabriel vor allem im Repräsentantenhaus mit einem Machtwechsel. Im Senat sei die Lage dagegen völlig offen, weil es für die Demokraten deutlich schwieriger sei, dort eine Mehrheit zu erreichen.Innenpolitisch erwartet Gabriel anschließend Stillstand. Die Demokraten würden versuchen, Korruptionsvorwürfe aufzudecken, sich dadurch aber stark mit sich selbst beschäftigen.Hoffnung auf weitere Ukraine-HilfeFür die Ukraine sieht Gabriel dennoch Grund zur Hoffnung. Bei Gesprächen in den USA habe seine Delegation ausschließlich Senatoren beider Parteien getroffen, die die Ukraine weiter unterstützen wollten.Gabriel hofft deshalb, dass Trump so stark unter Druck gerät, dass sich seine derzeitige Politik gegenüber Russland und der Ukraine nicht durchsetzt. Sigmar Gabriels Warnung fällt in eine Phase, in der die US-Zwischenwahlen als möglicher Einschnitt für die innen- und außenpolitische Handlungsfähigkeit des Präsidenten gelten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie stark ein verändertes Kräfteverhältnis im Kongress Trumps innenpolitischen Spielraum begrenzen könnte.Ein Machtverlust im Repräsentantenhaus würde die Kontrolle und Untersuchungskompetenzen der Demokraten stärken. Im Senat bliebe der Handlungsspielraum für Gesetzgebung, Personalentscheidungen und mögliche verfassungsrechtliche Schritte entscheidend von den Mehrheitsverhältnissen abhängig. Gabriels Einschätzung verbindet diese innenpolitische Unsicherheit mit der Erwartung, dass außenpolitische Entscheidungen für das Weiße Haus an Bedeutung gewinnen könnten.Iran-Krieg prägt WahlumfeldDie aktuelle Berichterstattung zu den Midterms stellt den Iran-Konflikt bereits als wichtigen Faktor für Trumps politische Lage dar. Fortdauernde Kämpfe und gestiegene Preise belasten demnach die Zustimmung zum Präsidenten; zugleich wird über Vorbereitungen für mögliche erneute Angriffe nach den Wahlen berichtet.Für Europa hätte eine weitere militärische Eskalation Folgen über den Nahen Osten hinaus. Energiepreise, Sicherheitsrisiken und der amerikanische Fokus auf den Indopazifik könnten den Druck auf europäische Staaten erhöhen, ihre Verteidigungsfähigkeit und außenpolitische Abstimmung eigenständiger zu organisieren. Gabriels Hinweis auf die Ukraine verweist zudem auf einen zweiten Belastungstest: Eine stärkere Konzentration Washingtons auf den Iran könnte die Unterstützung für Kiew zusätzlich politisch und militärisch unter Druck setzen. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenFrankfurter Rundschau: „Wir werden intern einen Bürgerkrieg haben“: Bannon verrät, worüber Trumps Partei nach der Wahl streitet (03.11.2026)Der Beitrag ordnet die mögliche Iran-Politik in die Konflikte innerhalb der Republikanischen Partei ein. Er bestätigt die Sorge vor weiteren größeren Militäroperationen, setzt den Schwerpunkt aber auf die innerparteilichen Folgen einer solchen Entscheidung.Focus: „Midterms 2026 - US-Zwischenwahlen, Ergebnisse & Folgen“ (02.11.2026)Der Beitrag berichtet über konkrete Pläne für erneute Angriffe auf den Iran nach den Midterms und unterstreicht damit den außenpolitischen Bezug von Gabriels Warnung. Im Vordergrund stehen dort die militärischen Vorbereitungen, während Gabriel vor allem die politischen Folgen eines Wahlergebnisses bewertet.Übereinstimmend gilt der Iran-Konflikt als möglicher Belastungsfaktor für Trump und als Thema mit Auswirkungen auf die Zeit nach den Zwischenwahlen. Offen bleibt, ob es tatsächlich zu neuen Angriffen kommt und wie stark der Kongress Trumps außenpolitischen Kurs begrenzen kann.