03.11.2026 - 20:29 Uhr

US-Zwischenwahlen: Nouripour warnt vor Trump als Risiko

Omid Nouripour erwartet von möglichen Verlusten der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen keine verlässliche Entspannung für Deutschland. Der Grünen-Politiker warnt vor neuen außenpolitischen Risiken durch einen innenpolitisch geschwächten Donald Trump.

Nouripour warnt vor Trumps Reaktion auf WahlniederlageBundestagsvizepräsident Omid Nouripour warnt davor, aus deutscher Sicht zu große Hoffnungen in eine Niederlage von Donald Trumps Republikanern bei den US-Zwischenwahlen zu setzen. Ein angeschlagener US-Präsident könne außenpolitisch erst recht zum Risiko werden, sagte der Grünen-Politiker dem TV-Sender „Welt“.Checks and Balances im MittelpunktNouripour hält eine Stärkung des bewährten Systems der gegenseitigen Kontrolle in den USA grundsätzlich für wünschenswert. In den vergangenen zwei Jahren habe dieses System aus seiner Sicht nicht mehr so funktioniert, wie man es kenne.Gleichzeitig bezweifelt der Außenpolitiker, dass Trump sich nach einer Niederlage mit einer sogenannten „Lame Duck“-Rolle abfinden würde. Der Präsident könne stattdessen möglicherweise erneut über die Stränge schlagen.Iran und Ukraine betreffen DeutschlandAls zentrale deutsche Interessen nennt Nouripour den Iran-Konflikt und die damit verbundene Inflation an den deutschen Zapfsäulen. Zudem verweist er auf die aus seiner Sicht nachlassende Verlässlichkeit der USA bei der Unterstützung der Ukraine.Der Ausgang der Zwischenwahlen werde daran zunächst wohl wenig ändern. Gefährdet würden deutsche Interessen durch teilweise unüberlegtes Verhalten oder Entscheidungen des US-Präsidenten, die nicht zugunsten Deutschlands ausfielen.Appell an Deutschland und EuropaNouripour fordert deshalb, dass Deutschland sich auf die eigenen Stärken besinnt und handlungsfähiger wird. Er bezeichnete sich zugleich als überzeugten Transatlantiker, betonte aber, Deutschland müsse es auch selbst können.Die Vorstellung, Deutschland könne sich nach einer Niederlage Trumps bei den Midterms zwei Jahre lang zurücklehnen, wies der ehemalige Grünen-Chef zurück. Die US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 entscheiden darüber, ob die Demokraten in einer oder beiden Kammern des Kongresses Mehrheiten gewinnen. Donald Trump steht dabei nicht selbst zur Wahl, prägt den Urnengang aber als amtierender Präsident und Parteiführer.Eine demokratische Mehrheit könnte Trumps innenpolitischen Spielraum durch blockierte Gesetzesvorhaben, Untersuchungsausschüsse und eine strengere Kontrolle der Regierung begrenzen. Sie würde jedoch nicht automatisch einen außenpolitischen Kurswechsel erzwingen: Der Präsident behält in der Außen- und Sicherheitspolitik weitreichende Handlungsmöglichkeiten.Außenpolitik bleibt entscheidendFür Deutschland reicht die Bedeutung deshalb über das Wahlergebnis hinaus. Der Iran-Konflikt, die wirtschaftlichen Folgen steigender Energiepreise, die US-Zollpolitik und die Unterstützung der Ukraine berühren unmittelbar europäische Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen.Die Diskussion fällt in eine Phase belasteter transatlantischer Beziehungen. Zugleich prüft die US-Regierung ihre militärische Präsenz in Europa. Damit gewinnt Nouripours Forderung an Gewicht, europäische Fähigkeiten auszubauen und politische Abhängigkeiten zu verringern.Begrenzte Wirkung eines WahldämpfersSelbst ein Verlust republikanischer Mehrheiten würde Trumps außenpolitischen Spielraum nicht beseitigen. Ein innenpolitisch geschwächter Präsident könnte den Kongress stärker bekämpfen oder außenpolitische Entscheidungen als eigenes Machtfeld nutzen.Für Deutschland bedeutet das: Die Midterms können die Kontrolle über die US-Regierung verändern, ersetzen aber keine eigene strategische Vorbereitung. Entscheidend bleiben die konkreten Mehrheiten, ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Trumps Reaktion auf das Wahlergebnis. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentagesschau: „US-Wahlen: Wie Trumps Kurs die Bundesregierung herausfordert“ (03.11.2026)Der Beitrag bestätigt Nouripours Einschätzung, dass ein Wahlerfolg der Demokraten Trump außenpolitisch nicht automatisch mäßigen würde. Er setzt den Schwerpunkt auf die Folgen für Deutschland, die Ukraine-Unterstützung und die mögliche Veränderung der US-Militärpräsenz in Europa.Deutschlandfunk: „Bei den Midterms drohen den Republikanern Verluste – Viele Wähler sind von Trump enttäuscht“ (01.11.2026)Der Artikel ordnet die erwarteten republikanischen Verluste vor allem innenpolitisch ein und nennt hohe Lebenshaltungskosten, den Iran-Krieg und Zölle als Belastungen für Trump. Anders als die dts-Meldung konzentriert er sich auf die Wählermotive und die Ausgangslage der Republikaner.Beide Beiträge verbinden mögliche Kongressverluste mit einer stärkeren innenpolitischen Kontrolle Trumps, erwarten daraus aber keinen verlässlichen außenpolitischen Kurswechsel. Offen bleibt, wie die tatsächlichen Mehrheiten ausfallen und wie Trump auf eine Begrenzung seines politischen Spielraums reagiert.