06.11.2026 - 14:45 Uhr

Vanessa Emde soll Berliner Linke bis Dienstag verlassen

Der Landesvorstand der Berliner Linken will die Neuköllner Abgeordnete zur Rückgabe ihres Mandats bewegen. Bei einer Ablehnung könnte bereits am Dienstag ein Fraktionsausschluss beantragt werden.

Berliner Linke fordert Mandatsverzicht von Vanessa EmdeDie Berliner Linke geht auf Distanz zur Neuköllner Abgeordneten Vanessa Emde und will sie am Freitagnachmittag zur Rückgabe ihres Mandats auffordern. Hintergrund sind nach Darstellung des Landesvorstands Verstöße gegen die Mandatsträgervereinbarung, darunter die Pflicht zur Einhaltung des Partei- und Wahlprogramms.Koalitionsbildung setzt Linke unter DruckVertreter von SPD und Grünen hatten Emdes Ausschluss zur Bedingung für eine Koalitionsbildung gemacht. Auch Katalin Gennburg und Gregor Gysi fordern ihren Ausschluss, während Emde-Anhänger der Parteiführung ein Einknicken vorwerfen.Fraktion könnte am Dienstag entscheidenInnerhalb der Linken wird nicht erwartet, dass Emde der Aufforderung folgt. Sollte sie nicht reagieren, könnte die Fraktionsführung am Dienstag einen Ausschlussantrag einbringen; dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Fraktion nötig, die Beobachter als wahrscheinlich einschätzen.Streit über Aussagen zu IsraelEmde steht wegen Äußerungen aus dem Mai 2026 in der Kritik. Berichten zufolge sagte sie damals, es gebe kein Existenzrecht für Staaten, Menschen hätten jedoch ein Recht zu existieren. Die Aussage wird häufig als Infragestellung der Existenz Israels interpretiert.Zudem hatte Emde laut ntv Solidarität mit dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim gefordert. Sicherheitsbehörden rechnen ihn laut Medienberichten der Volksfront zur Befreiung Palästinas zu, die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Der Vorgang fällt in die laufenden Bemühungen um eine Regierungsbildung in Berlin. Die Position der Neuköllner Abgeordneten ist dabei nicht nur eine innerparteiliche Personalfrage: SPD und Grüne machen ihren Ausschluss nach der dts-Meldung zur Voraussetzung für eine mögliche Koalition mit der Linken.Entscheidend ist der Unterschied zwischen Partei, Fraktion und Mandat. Ein Ausschluss aus der Fraktion würde Emde ihre parlamentarische Einbindung nehmen, das direkt gewonnene oder über die Landesliste erworbene Abgeordnetenmandat jedoch nicht automatisch beenden. Deshalb setzt der Landesvorstand zunächst auf eine freiwillige Rückgabe.Koalitionsbildung unter ZeitdruckVerweigert Emde den Mandatsverzicht, dürfte der Konflikt in die Fraktion verlagert werden. Für einen Ausschluss ist dort eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Das Verfahren könnte damit über die Mehrheitsverhältnisse innerhalb der Fraktion entscheiden und zugleich die Gespräche über ein Linksbündnis weiter belasten.Inhaltlich verbindet sich der Streit mit Aussagen zur Existenz Israels und mit der geforderten Solidarität für den Aktivisten Ibrahim Ibrahim. Für die Berliner Linke geht es daher zugleich um programmatische Grenzen, den Umgang mit innerparteilichen Minderheiten und ihre außenpolitische Positionierung. Für die Regierungsbildung bleibt offen, ob ein Fraktionsausschluss den Konflikt beendet oder den Druck auf die Partei lediglich in eine neue Phase verschiebt. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentaz: „Das Berliner Linksbündnis könnte an der Abgeordneten Vanessa Emde scheitern. Die SPD dringt auf ihren Ausschluss aus der Fraktion.“ (06.11.2026)Der Beitrag ordnet Emde als mögliches Hindernis für ein Berliner Linksbündnis ein und hebt den Druck der SPD auf einen Fraktionsausschluss hervor. Anders als die dts-Meldung konzentriert er sich stärker auf die Folgen für die Koalitionsbildung.Focus: „Gysi über Emde: 'Ich hoffe, dass wir sie ausschließen'“ (06.11.2026)Der Artikel stellt Gregor Gysis Forderung nach einem Ausschluss in den Mittelpunkt und nennt ebenfalls die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Offen bleibt in beiden Perspektiven, ob Emde einem Mandatsverzicht zustimmt und wie die Fraktion entscheidet.Übereinstimmend steht der Konflikt im Zusammenhang mit der Berliner Regierungsbildung und einem möglichen Ausschluss aus der Fraktion. Die Schwerpunkte unterscheiden sich bei der politischen Koalitionsfolge und bei der Rolle einzelner Parteivertreter.