Audi-Chef Gernot Döllner hat bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia gemeinsam mit Donald Trump für eine milliardenschwere US-Investition geworben. Arbeitnehmervertreter sehen darin einen Verstoß gegen die eigenen Neutralitätsregeln des Unternehmens.
Bundesregierung äußert sich nicht zu Döllners Trump-AuftrittDie Bundesregierung will den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump nicht öffentlich bewerten. Regierungssprecher Sebastian Hille sagte am Montag auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur, derartige unternehmerische Entscheidungen würden grundsätzlich nicht kommentiert.Döllner bestätigt Investition in GeorgiaDöllner war bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat Georgia gemeinsam mit Trump aufgetreten. Während Trump sein übliches Programm vortrug, bedankte sich Döllner für dessen Unterstützung und bestätigte eine milliardenschwere Investition in den USA.Auftritt steht im Widerspruch zu Audi-RegelnNach den unternehmensinternen Neutralitätsregeln von Audi sollen in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlichkeitswirksamen Termine mit kandidierenden Politikern stattfinden. Arbeitnehmervertreter werfen Döllner deshalb vor, gegen diese Vorgabe verstoßen und Trump im Wahlkampf geholfen zu haben.Kritik von Betriebsrat und IG MetallVW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte den Auftritt scharf. Auch IG-Metall-Chefin Christiane Benner wandte sich gegen Döllners Präsenz bei der Veranstaltung.Hintergrund der Kritik sind Trumps umstrittene Politik gegenüber Minderheiten und seine Zollpolitik. Mit den Zöllen will der US-Präsident Unternehmen dazu bewegen, mehr in den Vereinigten Staaten zu produzieren.
Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner fällt in eine Phase, in der internationale Autohersteller ihre Produktionsentscheidungen stärker an US-Zöllen, dem Zugang zum amerikanischen Markt und politischen Standortanreizen ausrichten. Eine Fertigung in den Vereinigten Staaten kann Unternehmen helfen, lokale Wertschöpfung aufzubauen und mögliche Handelsbarrieren abzufedern. Zugleich erhöht ein gemeinsamer öffentlicher Auftritt mit einem kandidierenden Präsidenten das Risiko, dass eine unternehmerische Investitionsentscheidung als politische Unterstützung wahrgenommen wird.Investition und politische NeutralitätNach den vorliegenden Angaben soll Audi in Georgia ein Werk mit Milliardenvolumen errichten. Der Standort wäre für Audi strategisch bedeutsam, weil das Unternehmen damit seine Präsenz auf dem US-Markt ausbauen und Fahrzeuge näher an den Kunden produzieren könnte. Die politische Wirkung des Auftritts entsteht jedoch unabhängig von der wirtschaftlichen Begründung: Döllner trat bei einer Wahlkampfveranstaltung gemeinsam mit Donald Trump auf und dankte ihm öffentlich.Besonders konfliktträchtig ist der Vorgang wegen der von Audi selbst formulierten Neutralitätsregeln. Arbeitnehmervertreter sehen darin einen Verstoß und verlangen zugleich Klarheit über die Folgen für andere Standorte. Für die Beschäftigten in Deutschland steht damit nicht nur die politische Außendarstellung des Konzerns im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, ob zusätzliche US-Kapazitäten langfristig Investitionen und Arbeitsplätze zwischen den Regionen verschieben.Entscheidung unter VorbehaltDie Reaktionen von Betriebsrat und Gewerkschaft zeigen, dass der geplante Fabrikbau nicht allein als Standortentscheidung behandelt wird. Maßgeblich werden auch die Zustimmung der zuständigen Gremien, die Auswirkungen auf bestehende Werke sowie die Dauerhaftigkeit möglicher Vorteile unter veränderten politischen Mehrheiten sein. Die Bundesregierung hält sich bei der Bewertung zurück und verweist auf die unternehmerische Zuständigkeit.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenntv: „Scharfe Kritik an Audi-Chef für Wahlkampfauftritt mit Trump“ (26.10.2026)Der Beitrag bestätigt den gemeinsamen Auftritt und die scharfe Kritik von Daniela Cavallo sowie Christiane Benner. Einen Schwerpunkt legt er auf die geplante Größenordnung des Werks, mögliche Auswirkungen auf deutsche Standorte und die noch ausstehende Zustimmung der Gremien.Deutschlandfunk: „US-Wahlkampf - Cavallo: Auftritt von Audi-Chef bei Trump ist beschämend“ (26.10.2026)Der Beitrag ordnet den Vorgang vor allem über Cavallos Kritik am Wahlkampfauftritt und die angekündigte Audi-Fabrik in Georgia ein. Gemeinsam bleibt der Fokus auf dem politischen Auftritt und der Reaktion der Arbeitnehmerseite; die wirtschaftlichen Bedingungen des Projekts stehen weniger im Vordergrund.Übergreifend besteht Einigkeit über den Ablauf und die Kritik aus der Arbeitnehmervertretung. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von politischer Neutralität, Investitionsumfang und den Folgen für andere Volkswagen-Standorte.