Linken-Chef Luigi Pantisano verlangt nach dem gemeinsamen Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner und Donald Trump den Rücktritt des Managers. Die Bundesregierung lehnt eine öffentliche Bewertung der unternehmerischen Entscheidung ab.
Pantisano fordert Konsequenzen für Audi-Chef DöllnerLinken-Chef Luigi Pantisano fordert nach dem Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump den Rücktritt Döllners von der Konzernspitze. Die Bundesregierung will den Vorgang nicht öffentlich bewerten.Kritik an Auftritt mit Trump„Ich finde, es ist eindeutig: Audi-Vorstandschef Gernot Döllner muss seinen Hut nehmen“, sagte Pantisano dem Nachrichtenportal T-Online. Er warf Trump eine Politik zugunsten der Reichen und Mächtigen vor und kritisierte Döllner dafür, dem US-Präsidenten auf einer Wahlkampfbühne Unterstützung zu leisten.Pantisano erklärte, gerade beim Volkswagen-Konzern müsse der Auftritt Konsequenzen haben, weil das Land Niedersachsen mitverantwortlich sei. Andernfalls müsse sich auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil die Wahlkampfhilfe für Trump zurechnen lassen, sagte er.Regierung verweist auf UnternehmenszuständigkeitDer stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille sagte am Montag auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur: „Wir kommentieren grundsätzlich derartige unternehmerische Entscheidungen nicht.“ Eine öffentliche Stellungnahme der Bundesregierung zu Döllners Auftritt soll es damit vorerst nicht geben.Milliardeninvestition in den USA bestätigtDöllner war bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat Georgia gemeinsam mit Trump aufgetreten. Während Trump sein politisches Programm vortrug, bedankte sich Döllner für dessen Unterstützung und bestätigte eine milliardenschwere Investition in den USA.Nach den bei Audi geltenden Neutralitätsregeln soll das Unternehmen in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlichkeitswirksamen Termine mit kandidierenden Politikern wahrnehmen. Der Auftritt steht damit im Zentrum der Kritik an der Unternehmensführung.
Der Auftritt von Gernot Döllner fällt in eine Phase, in der Audi seine Präsenz auf dem US-Markt deutlich ausbauen will. Bei der Veranstaltung in Perry im Bundesstaat Georgia wurde eine milliardenschwere Investition für eine erste US-Produktionsstätte angekündigt. Die politische Bühne und die wirtschaftliche Botschaft waren damit unmittelbar miteinander verbunden.Für Unternehmen ist der Vorgang deshalb heikel, weil Audi nach eigener Regelung in den drei Monaten vor Wahlen keine öffentlichkeitswirksamen Termine mit kandidierenden Politikern wahrnehmen will. Zugleich verpflichtet sich der Autobauer zur politischen Neutralität. Ein gemeinsamer Auftritt mit Trump kann daher als Widerspruch zwischen internen Leitlinien und öffentlicher Unternehmenskommunikation wahrgenommen werden.Wirtschaftliches Signal mit politischem PreisDie Investition soll Audi im US-Markt stärken und die regionale Fertigung ausbauen. Für den Konzern geht es damit um Standortpolitik, Lieferketten und den Zugang zu einem wichtigen Absatzmarkt. Der Auftritt macht jedoch deutlich, dass wirtschaftliche Ankündigungen im US-Wahlkampf nicht losgelöst vom politischen Umfeld wahrgenommen werden.In Deutschland richtet sich die Kritik zusätzlich auf die Verantwortung von Volkswagen und des Landes Niedersachsen. Die Bundesregierung verweist dagegen auf die unternehmerische Zuständigkeit und will den Auftritt nicht öffentlich bewerten. Für Beschäftigte und Öffentlichkeit bleibt damit entscheidend, ob Audi seine Neutralitätsregeln künftig sichtbarer durchsetzt und wie das Unternehmen den US-Ausbau von politischer Unterstützung abgrenzt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenDeutschlandfunk: „Audi lässt Trump im Wahlkampf Bau eines US-Werks verkünden - Auftritt von Audi-Chef verstößt gegen ...“ (26.10.2026)Der Beitrag stellt die Investitionsankündigung und den gemeinsamen Wahlkampfauftritt in den Mittelpunkt. Er hebt zugleich den möglichen Verstoß gegen Audis selbst auferlegte Neutralitätsregeln hervor.n-tv: „Scharfe Kritik an Audi-Chef für Wahlkampfauftritt mit Trump“ (26.10.2026)n-tv konzentriert sich auf die politischen Reaktionen und die Unternehmensregeln zur Neutralität vor Wahlen. Anders als der Deutschlandfunk-Beitrag rückt der Artikel stärker die Kritik am Verhalten des Audi-Chefs als die Investitionsentscheidung in den Vordergrund.Beide Beiträge verbinden die Milliardeninvestition mit dem Wahlkampfauftritt und sehen darin einen Konflikt mit Audis Neutralitätsvorgaben. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt zwischen wirtschaftlicher Standortentscheidung und politischer Verantwortung; offen bleibt, ob daraus unternehmensinterne Konsequenzen folgen.