Die Berliner Grünen wollen Gespräche mit der CDU nicht grundsätzlich ausschließen, halten den Zeitpunkt des Angebots aber für problematisch. Während die CDU am 3. November mit Grünen und SPD sprechen will, steht ein rot-grün-roter Verhandlungsbeginn unmittelbar bevor.
Berliner Grüne weisen CDU-Angebot als verspätet zurückDer Spitzenkandidat der Berliner Grünen, Werner Graf, hat das Gesprächsangebot von CDU-Chef Stefan Evers als „ein wenig spät“ bezeichnet. Gesprächen mit demokratischen Parteien verschließe sich seine Partei zwar nicht, doch hätten Grüne, Linke und SPD bereits Sondierungen abgeschlossen.CDU plant Treffen am 3. November„Wir versperren uns Gesprächen mit demokratischen Parteien nie. Das haben wir von Anfang an gesagt. Aber das ist jetzt ein wenig spät, nachdem unsere Partei beschlossen hat, Koalitionsverhandlungen mit Linken und SPD aufzunehmen“, sagte Graf den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.Mit Blick auf die CDU-Strategie fügte Graf hinzu: „Das scheint mir alles ein wenig ohne Plan zu sein.“ Evers hatte angekündigt, Grünen und SPD bei einem bereits für den 3. November terminierten Gespräch Sondierungen über eine Regierungsbildung anzubieten.Rot-grün-rotes Bündnis steht vor VerhandlungenMit dem Vorstoß will die CDU eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD in der Hauptstadt verhindern. Die drei Parteien haben ihre Sondierungen bereits abgeschlossen.Nach der erwarteten Zustimmung eines Linke-Parteitags am Samstag wollen sie voraussichtlich am kommenden Montag mit Koalitionsverhandlungen beginnen. Damit trifft das CDU-Angebot auf einen bereits weit fortgeschrittenen Prozess der Regierungsbildung.
Das Gesprächsangebot der Berliner CDU fällt in eine Phase, in der sich die Regierungsbildung bereits auf ein rot-grün-rotes Bündnis zubewegt. Linke, Grüne und SPD haben ihre Sondierungen abgeschlossen; der nächste formale Schritt hängt von der Entscheidung des Linke-Parteitags ab.Für die CDU ist das Gespräch mit Grünen und SPD der Versuch, eine Regierungsbildung unter Führung der Linken doch noch zu verhindern. Rechnerisch verfügt ein Bündnis unter CDU-Führung ebenfalls über eine Mehrheit. Politisch müsste die CDU dafür jedoch insbesondere die Grünen von einem bereits vereinbarten Verfahren mit Linken und SPD abbringen.Entscheidung der Linken als nächster SchrittDie zeitliche Abfolge erhöht den Druck auf die CDU: Das Treffen mit SPD und Grünen ist erst für den 3. November vorgesehen, während Koalitionsverhandlungen des bisherigen Sondierungsbündnisses voraussichtlich bereits am kommenden Montag beginnen sollen. Die Äußerung von Werner Graf macht damit vor allem den Konflikt zwischen rechnerischer Mehrheit und politischer Verbindlichkeit sichtbar.Für Berlin stehen nun zwei Optionen im Raum: Gespräche über ein CDU-geführtes Bündnis oder die Fortsetzung des rot-grün-roten Projekts. Ob das CDU-Angebot noch Einfluss auf die Mehrheitsbildung gewinnt, hängt maßgeblich davon ab, ob Grüne und SPD trotz des bereits eingeleiteten Verfahrens zu einem Kurswechsel bereit sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenStern: „Debatte nach Wahl: Berliner CDU will Grünen und SPD Sondierungen anbieten“ (29.10.2026)Der Artikel bestätigt das CDU-Angebot an Grüne und SPD und ordnet es als Versuch ein, eine Regierungsbildung unter Führung der Linken zu verhindern. Im Mittelpunkt steht damit stärker die Strategie der CDU als die Reaktion der Grünen.Stern: „Regierungsbildung in Berlin: SPD-Landeschef Krach: Gespräch mit CDU kommt 'sehr spät'“ (30.10.2026)Der Beitrag bestätigt den Termin am 3. November und setzt einen anderen Schwerpunkt: Neben den Grünen bewertet auch die Berliner SPD das CDU-Gespräch als verspätet. Offen bleibt, ob der Termin angesichts der geplanten Koalitionsverhandlungen noch politische Wirkung entfaltet.Beide Beiträge stimmen beim Termin und beim CDU-Vorstoß überein. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Perspektive: Der erste Artikel beleuchtet die CDU-Strategie, der zweite die Reaktionen der möglichen Bündnispartner.