Zentralratspräsident Josef Schuster spricht sich für Ilse Aigner als mögliche Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier aus. Zugleich verbindet er einen möglichen politischen Wandel in Israel mit Chancen für die deutsch-israelische Zusammenarbeit.
Schuster sieht Aigner für Bundespräsidentenamt geeignetDer Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hält die CSU-Politikerin Ilse Aigner für „absolut geeignet“ für das Amt der Bundespräsidentin. „Ich fände sie eine gute Wahl, das heißt aber nicht, dass eine andere Wahl eine schlechte Wahl wäre“, sagte er der ARD.Weitere geeignete Kandidaten wollte Schuster nicht nennen. Von der Neubesetzung erwartet er, politische Strömungen links und rechts zusammenzuführen, Konflikte nicht auszuweiten und Brücken zu bauen.Schuster fordert ausgleichende RolleMit seiner Einschätzung reiht sich Schuster in die Debatte über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier ein. Aigner ist Präsidentin des Bayerischen Landtags und wird innerhalb der Union als mögliche Kandidatin für das Bundespräsidentenamt diskutiert.Schusters Maßstab ist dabei vor allem die integrierende Funktion des Amtes. Er stellte Aigner als geeignete Wahl dar, ohne andere mögliche Personalentscheidungen abzuwerten.Zurückhaltung nach der Wahl in IsraelMit Blick auf den Ausgang der Wahlen in Israel äußerte sich Schuster zurückhaltend. Auf die Frage, ob er sich einen deutlichen politischen Wandel gewünscht hätte, sagte er: „Das Leben ist kein Wunschkonzert. Das ist das Wesen der Demokratie. Der Wähler hat gesprochen.“Schuster hatte sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch über die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geäußert, insbesondere über die Minister Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich.Mögliche Folgen für BeziehungenSollte es in Israel zu einem Regierungswechsel kommen, könnte das nach Schusters Einschätzung die deutsch-israelischen Beziehungen erleichtern. Er verwies auf Äußerungen der beiden rechtsradikalen Minister, die für ihn nicht nachvollziehbar und nicht akzeptabel seien.Wenn solche Töne aus Regierungskreisen wegfielen, könne dies gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Pläne erleichtern, sagte Schuster. Als Beispiel nannte er Friedensbemühungen, die von beiden Seiten notwendig seien; Deutschland habe dabei indirekt eine Vermittlungsfunktion.
Die Debatte über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier ist in eine frühe Sondierungsphase eingetreten. Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, wird dabei innerhalb der Union als mögliche Kandidatin für das Bundespräsidentenamt genannt. Die CSU wirbt für sie, während die Frage des Vorschlagsrechts zwischen CDU und CSU politisch noch nicht abschließend geklärt ist.Josef Schusters Unterstützung ist vor diesem Hintergrund politisch relevant, weil der Präsident des Zentralrats der Juden über seine eigene Organisation hinaus als Stimme in gesellschaftlichen Debatten wahrgenommen wird. Seine Begründung stellt weniger die Parteizugehörigkeit Aigners als ihre mögliche Fähigkeit zum Ausgleich in den Mittelpunkt. Genau diese Erwartung richtet sich traditionell an das Bundespräsidentenamt, das nicht die Regierung führt, sondern gesellschaftliche Orientierung und Repräsentation leisten soll.Israel-Wahl als zweiter SchwerpunktSchusters Äußerungen zur israelischen Wahl verbinden die Personaldebatte mit einem außenpolitischen Thema. Er bewertet das Wahlergebnis grundsätzlich als demokratische Entscheidung und knüpft mögliche Verbesserungen der deutsch-israelischen Zusammenarbeit an den politischen Kurs einer künftigen Regierung. Im Mittelpunkt stehen dabei der Ton israelischer Regierungsvertreter, gemeinsame Friedensbemühungen und Deutschlands mögliche Vermittlungsrolle.Für die bilateralen Beziehungen wäre ein Regierungswechsel nicht automatisch mit einer neuen deutschen Politik verbunden. Er könnte jedoch die politischen Gesprächsräume verändern, insbesondere wenn umstrittene Äußerungen aus Regierungskreisen an Gewicht verlieren. Die weitere Entwicklung hängt deshalb sowohl von der Regierungsbildung in Israel als auch von der Entscheidung über Steinmeiers Nachfolge ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenBayerischer Rundfunk: „Bundespräsidentin Aigner? Unterstützung auch außerhalb Bayerns“ (26.10.2026)Der Beitrag ordnet die Unterstützung für Ilse Aigner über Bayern hinaus ein und bestätigt damit den politischen Kontext der Personaldebatte. Im Vergleich zur Aussage Schusters liegt der Schwerpunkt stärker auf den parteipolitischen Unterstützern und der Reichweite des Vorschlags.tagesschau: „Nachfolge für Steinmeier: Merz beharrt auf CDU-Vorschlagsrecht“ (28.10.2026)Der Artikel stellt die Aigner-Debatte in den Zusammenhang des Streits über das Vorschlagsrecht für die nächste Bundespräsidentenwahl. Damit ergänzt er Schusters persönliche Eignungseinschätzung um die offene innerunionale Entscheidungsfrage.Übereinstimmung besteht darin, dass Aigner als ernsthaft diskutierte Kandidatin gilt. Unterschiedliche Akzente liegen bei der Bewertung ihrer gesellschaftlichen Eignung und bei der Frage, wer innerhalb der Union den maßgeblichen Vorschlag bestimmen wird.