23.10.2026 - 16:46 Uhr

Ryanair schließt Berliner Basis – Cockpit prangert Kündigungen an

Die Vereinigung Cockpit sieht in der Schließung der Berliner Ryanair-Basis und mehreren Kündigungen während der Tarifverhandlungen einen Angriff auf die Mitbestimmung. Betroffene Piloten könnten vor einem Wechsel ins Ausland stehen.

Ryanair schließt Berliner Basis während TarifkonfliktDie Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wirft Ryanair eine gezielte Bekämpfung von Gewerkschaften und betrieblicher Mitbestimmung vor. Anlass ist die für Samstag angekündigte Schließung der Berliner Basis, durch die dort stationierte Piloten ins Ausland wechseln oder sich beruflich neu orientieren müssten.Betriebsrat in Berlin betroffenNach Darstellung der Gewerkschaft war in Berlin der einzige deutsche Betriebsrat im Ryanair-Flugbetrieb angesiedelt. Cockpit zufolge wurde die Schließung im April angekündigt, zwei Wochen nachdem der Betriebsrat vor dem Bundesarbeitsgericht einen Erfolg erzielt hatte.Die Gewerkschaft erklärt zudem, während der seit April laufenden Tarifverhandlungen seien drei der ursprünglich sechs Mitglieder der Tarifkommission gekündigt worden. Zwei der betroffenen Piloten seien inzwischen aus dem Unternehmen ausgeschieden, in einem weiteren Fall laufe ein Kündigungsrechtsstreit.Cockpit sieht Druck auf TarifverhandlungenAndreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit, sagte, die Schließung des Standorts und die Kündigungen schwächten gezielt gewerkschaftliche Strukturen und schüchterten Beschäftigte ein. Aus Sicht der Pilotengewerkschaft verdichten sich damit die Anzeichen für einen Versuch, Gewerkschaften und betriebliche Mitbestimmung bei Ryanair zu schwächen.Die Schließung wirft nach Einschätzung der Gewerkschaft die Frage auf, ob neben wirtschaftlichen Gründen auch die Arbeitnehmervertretung eine Rolle spielt. Ryanair hat sich in der vorliegenden Meldung zu den Vorwürfen nicht geäußert. Die angekündigte Schließung der Berliner Ryanair-Basis fällt in eine Phase laufender Tarifverhandlungen zwischen der Airline und ihren Piloten. Für die Beschäftigten ist der Vorgang deshalb nicht nur eine Standortentscheidung: Ein Wechsel ins Ausland kann private Lebensplanung, Arbeitsort und betriebliche Vertretung zugleich berühren.Besondere Bedeutung hat der Berliner Betriebsrat, weil er nach Darstellung der Vereinigung Cockpit der einzige deutsche Betriebsrat im Ryanair-Flugbetrieb war. Mit seiner möglichen Auflösung würde ein zentraler Anlaufpunkt für die Interessenvertretung am Standort entfallen. Die von Cockpit genannten Kündigungen von Mitgliedern der Tarifkommission verschärfen aus Sicht der Gewerkschaft den Konflikt, weil sie während laufender Verhandlungen erfolgt sein sollen.Tarifkonflikt mit Folgen für den StandortFür Ryanair steht demgegenüber die wirtschaftliche Begründung der Basisschließung im Raum. Ob der Standort künftig durch andere Fluggesellschaften oder veränderte Kapazitäten am Flughafen Berlin Brandenburg aufgefangen wird, hängt von den jeweiligen Unternehmensentscheidungen ab. Für die betroffenen Piloten entscheidet sich zunächst, ob ein Wechsel an einen ausländischen Standort möglich und zumutbar ist.Arbeitsrechtlich dürften die Kündigungsrechtsstreitigkeiten und die Frage des Schutzes von Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit entscheidend sein. Politisch verweist der Fall auf den Konflikt zwischen international organisierten Airlines und nationalen Strukturen der Mitbestimmung: Unternehmen können ihre Stationierungen grenzüberschreitend verändern, während Beschäftigte ihre sozialen Bindungen nicht ohne Weiteres verlagern können.