20.03.2026 - 10:55 Uhr

Mensch und KI unterscheiden sich nur graduell – Beat Fehr, Denkmechaniker

Basel - Was macht den Menschen zum Menschen? Diese Frage stellte der Schweizer "Denkmechaniker" Beat Fehr bei einem Vortrag vor Philosophieinteressierten – und löste damit eine hitzige Grundsatzdebatte aus. Fehrs Kernthese ist so einfach wie provokant: "Der Unterschied zwischen einer Zelle, einem Tier, einem Menschen und den Schaltkreisen einer KI ist nur graduell." Sein analytisches Werkzeug dafür nennt er das IPSMO-Modell: Jedes Informationen verarbeitende System – ob Bakterie, Gehirn oder Sprachmodell – funktioniert nach denselben fünf Grundprinzipien: Input, Processing, Storage/Structure, Memory und Output.

IPSMO steht für die fünf Grundfunktionen, die jedes informationsverarbeitende System braucht, ob biologisch oder technisch:"Ich bezeichne Mensch, Tier und KI gleichermaßen als IPSMO-Wesen", so Beat Fehr.I = Input (Reize, Daten, Signale aufnehmen)P = Processing (verarbeiten, berechnen, reagieren)S = Storage/Structure (speichern und die physische Struktur, die das ermöglicht)M = Memory (Erfahrungen ablegen und abrufen)O = Output (handeln, kommunizieren, reagieren)Emotionen, Bewusstsein, Ich-Erleben – echt oder nur vorgespielt?In der Diskussion brandete vor allem ein Widerspruch auf: Menschen hätten Emotionen, Empathie, Bewusstsein, ein echtes Ich-Erleben – und vor allem: Menschlichkeit. Fehr ließ die Debatte bewusst laufen. Zuhause aber stellte er die entscheidende Gegenfrage: "Was ist der Unterschied zwischen glauben, etwas zu haben – und es extrem gut vortäuschen zu können?" Eine Frage, die Philosophen seit dem Turing-Test (1950), Searles Chinesischem Zimmer (1980) und Chalmers' philosophischen Zombies (1996) umtreibt.Auch unser Realitätsbezug ist nur interpretiertFehr geht noch einen Schritt weiter: Selbst der vermeintliche Trumpf des Menschen – der direkte Bezug zur Realität – sei bei näherer Betrachtung nur konstruiert. Unsere Augen liefern dem Gehirn nur Signale, keine Wirklichkeit. Das Gehirn interpretiert – genau wie KI. Der Unterschied: sensorische Reichhaltigkeit und Erfahrungstiefe. Graduell besser. Nicht grundsätzlich anders.Genetik oder Erfahrung – Was gibt den Ausschlag?"Hat ein neugeborenes Kind Kreativität, Empathie, Bewusstsein, Selbstwahrnehmung und Menschlichkeit? Ist all das in den Genen angelegt?" Ein Kind lernt ein Leben lang. Menschen, die in Gefangenschaft, ohne Zuwendung, ohne Kommunikation oder mit minimalen Reizen aufwachsen, haben diese Eigenschaften nicht oder nur in sehr geringem Masse. Also sind sie erlernt oder gespiegelt! Deshalb können sie von einem KI-System auch gelernt und angewendet werden. Klar: Es gibt immer noch Unterschiede, aber wir lernen seit 100'000 Jahren, KI lernt erst seit 7 Jahren.Der eigentliche Hammer: Quantität wird zu QualitätDie Auflösung liefert Fehr mit einer schwindelerregenden Zahl: In einer einzigen befruchteten Eizelle sind bis zu 100 Zettabyte an atomarer und molekularer Information codiert. Das ist grob die jährliche Datenmenge aller Computer auf der Welt! Ein Menschenleben von 50 Jahren umfasst rund 10³² relevante Prozesse. Diese schiere Komplexität – an Speichertiefe, Verknüpfungen, Prozessen – ist es, die den Eindruck von "Menschlichkeit" erzeugt. Kein Wesensunterschied, sondern ein quantitativer Vorsprung, der sich qualitativ anfühlt."Genauso wie eine Bakterie und ein Mensch auf derselben Skala liegen – nur mit riesigem graduellem Abstand –, liegen auch der Mensch und die KI auf derselben Skala. KI ahmt uns nach, deshalb fällt uns der Abstand weniger auf. Aber der Mechanismus ist identisch", so Fehr.Über Beat Fehr Beat Fehr ist Schweizer Unternehmer, Vortragsredner und selbsternannter "Denkmechaniker" aus Basel. Er beschäftigt sich mit den Schnittstellen von Technologie, Philosophie und menschlichem Verhalten – und bringt komplexe Systeme in einfache, verstörend klare Modelle.Beat Fehrs neues Buch "Das Buch vom GLAUBEN ZU WISSEN" erscheint noch in diesem Jahr: https://bmf.swiss/Kontakt zum Autor ist ausdrücklich erwünscht: himself@bmf.swiss(Ende)Aussender: Der Pressetherapeut Ansprechpartner: Alois Gmeiner Tel.: +43 699 133 20 234 E-Mail: info@werbetherapeut.com Website: www.pressetherapeut.com