26.10.2026 - 20:15 Uhr

Lufthansa-Chef Spohr verteidigt Sparkurs bei zehn Euro Gewinn

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hält weitere Effizienzsteigerungen für unvermeidbar und verteidigt den Sparkurs des Konzerns. Zugleich warnt er vor der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit innerdeutscher Verbindungen und verweist auf die internationale Ausrichtung der Airline.

Lufthansa-Chef Spohr hält Sparkurs an Bord für dauerhaftLufthansa-Chef Carsten Spohr hat den Sparkurs seines Konzerns an Bord verteidigt und klargemacht, dass dieser nicht enden wird. Nach einem Reinigungstest auf rund 20 europäischen Strecken habe die Lufthansa punktuell nachgebessert und liege weiterhin über dem Branchenstandard.Effizienz bleibt Teil des GeschäftsmodellsSpohr sagte dem „Spiegel“, Effizienzsteigerung sei Teil des Geschäftsmodells; bei zehn Euro Gewinn pro Passagier höre das effizienter Werden nie auf. Die Lufthansa hatte im März in der Economy geprüft, wie wenig Reinigung Passagiere akzeptieren.Der Konzernchef verwies damit auf den anhaltenden Kostendruck im Passagiergeschäft. Zugleich betonte er, dass die Lufthansa nach dem Test einzelne Abläufe angepasst habe.Spohr sieht innerdeutsche Flüge unter DruckDen innerdeutschen Luftverkehr hält Spohr für wenig zukunftsfähig. Keine Airline könne mit innerdeutschen Verbindungen noch ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln, sagte er.Friedrichshafen und Paderborn seien mittlerweile vom internationalen Flugverkehr abgeschnitten. Das passe nicht zu einem Exportland wie Deutschland, so Spohr.Deutscher Umsatzanteil sinkt auf 20 ProzentAuch insgesamt verliere der Heimatmarkt an Gewicht. Der deutsche Umsatzanteil liege nur noch bei 20 Prozent, sagte der Lufthansa-Chef.Beim Zuschlag für die portugiesische Fluggesellschaft TAP habe der Bundeskanzler Lufthansa unterstützt. Ohne dessen Anrufe in Lissabon wäre es gegen die französischen Wettbewerber deutlich schwerer geworden, sagte Spohr.Anzug als Signal an die BelegschaftSpohr begründete außerdem, warum er als einer der letzten deutschen Topmanager stets Anzug und Krawatte trägt. Er sei Vorgesetzter von Zehntausenden Menschen in Uniform.Da Piloten und Flugbegleiter ihre Krawatte auch nachts um drei im Dienst nicht lockerten, komme es für ihn nicht infrage, sie nur aus Bequemlichkeit abzulegen. Der von Carsten Spohr verteidigte Sparkurs steht im Zusammenhang mit dem anhaltenden Kostendruck im europäischen Luftverkehr. Airlines müssen ihre Angebote effizienter organisieren, während sie zugleich Erwartungen an Sauberkeit, Pünktlichkeit und Service erfüllen müssen. Der von Lufthansa getestete Umfang der Reinigung berührt deshalb unmittelbar das Verhältnis zwischen betrieblicher Effizienz und dem wahrgenommenen Qualitätsstandard.Besonders relevant ist Spohrs Aussage zum innerdeutschen Flugverkehr. Wenn Verbindungen zwischen deutschen Städten wirtschaftlich kaum tragfähig sind, gewinnen Bahnanschlüsse und internationale Drehkreuze für die Erreichbarkeit von Regionen an Bedeutung. Für Standorte wie Friedrichshafen und Paderborn kann ein Rückzug vom internationalen Luftverkehr die Anbindung an Geschäfts- und Exportmärkte erschweren.Deutschlands geringeres Gewicht im KonzernDer genannte deutsche Umsatzanteil von 20 Prozent verweist auf die internationale Ausrichtung der Lufthansa. Entscheidungen über Flotten, Strecken und Kosten werden damit nicht allein aus der Perspektive des Heimatmarktes getroffen. Gleichzeitig bleibt der Konzern auf politische Unterstützung angewiesen, wenn es um strategische Beteiligungen wie TAP geht und internationale Wettbewerber ebenfalls staatliche Rückendeckung erhalten.Für Passagiere bedeutet der Kurs, dass Effizienzmaßnahmen im Kabinenservice voraussichtlich wiederholt überprüft und angepasst werden. Für Beschäftigte und Regionen geht es darüber hinaus um Arbeitsbedingungen, Streckennetze und die Frage, wie Deutschland an internationale Verkehrsströme angebunden bleibt.