23.10.2026 - 19:21 Uhr

Berliner Polizei: GdP fordert neue Regeln für Länderwechsel

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei verlangt ein einheitliches Verfahren für den Wechsel von Beamten in andere Länder. Hintergrund ist das Werben Baden-Württembergs um Berliner Polizisten nach dem Wahlsieg der Linken.

GdP Berlin fordert Regeln für Polizeiw echselDie Gewerkschaft der Polizei Berlin fordert die Politik auf, Wechsel von Polizisten zwischen den Bundesländern zu erleichtern. Zugleich verlangt sie von der Innenministerkonferenz verbindliche Kriterien, damit Abwerbung und Personalplanung geregelt werden.GdP sieht bisher hohe HürdenGdP-Sprecher Benjamin Jendro sagte, für wechselwillige Polizisten öffne sich derzeit eine Tür, während andere Länder Chancen auf hochprofessionelle Berliner Beamte sähen. Er bezog sich auf Äußerungen des baden-württembergischen Innenministers Manuel Hagel, der nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin um Polizisten aus der Hauptstadt geworben hatte.Nach Darstellung Jendros ist ein Wechsel für Berliner Polizisten bislang fast unmöglich. Erforderlich seien meist ein Tauschpartner, ein sozialer Härtefall oder eine Versetzung durch Beförderung.Streit über AbwerbungDas Verfahren scheitere häufig daran, dass kaum ein Polizist nach Berlin wechseln wolle, sagte Jendro. Zwischen den Landesinnenministern gebe es zudem eine Übereinkunft gegen die sogenannte Raubernennung, also das Abwerben von Polizisten ohne Zustimmung des bisherigen Dienstherrn.Diese Einigung sei aus Sicht der GdP rechtlich schon immer nicht haltbar gewesen und scheine nun obsolet zu sein. Jendro forderte deshalb schnelle Flexibilität, aber zugleich verbindliche Parameter für Länderwechsel.Gewerkschaft verlangt InvestitionenVon der künftigen Berliner Landesregierung verlangt die GdP ein klares Bekenntnis zur Polizei. Neben einem Bekenntnis gegen Antisemitismus müsse sie weiter in die Sicherheit der Stadt investieren und die Ausbildungsoffensive bei der Polizei vorantreiben.Wenn in der Hauptstadt Polizisten fehlten, werde das ganze Land die Folgen spüren, sagte Jendro. Der Streit über Länderwechsel berührt einen strukturellen Zielkonflikt des Polizeidienstes: Die Länder bilden ihre Beamten selbst aus, werben aber zugleich um bereits erfahrene Kräfte. Für Berlin ist das besonders relevant, weil ein Wechsel bislang häufig an einem Tauschpartner, persönlichen Härtegründen oder einer dienstrechtlichen Versetzung hängt.Die von der GdP geforderte Regelung würde zwei Interessen zusammenführen. Polizisten könnten berufliche oder private Veränderungen leichter umsetzen, während die abgebenden Länder Planungssicherheit und einen fairen Ausgleich verlangen dürften. Ohne gemeinsame Kriterien könnten finanzstärkere Länder vor allem dort Personal gewinnen, wo Ausbildungskosten und Einsatzerfahrung bereits getragen wurden.Folgen für Berlin und die LänderDer aktuelle Vorstoß erhöht den politischen Druck auf die Innenministerkonferenz. Neben einem möglichen Verfahren für Wechsel müssten die Länder klären, wie Zustimmungspflichten, Fristen, Besoldungsunterschiede und die Anerkennung von Laufbahnen geregelt werden. Für Berlin steht dabei nicht nur die Zahl einzelner Abgänge im Mittelpunkt, sondern auch die Fähigkeit, Nachwuchs zu gewinnen und erfahrene Beamte zu halten.Die Debatte macht außerdem sichtbar, dass Personalpolitik und politische Rahmenbedingungen eng zusammenhängen. Eine künftige Berliner Landesregierung wird an ihren Investitionen in Ausbildung, Ausstattung, Besoldung und beruflichen Perspektiven gemessen werden. Für Bürger bedeutet die Frage nach Länderwechseln letztlich, wie stabil die personelle Ausstattung der Polizei und damit die Reaktionsfähigkeit im Alltag bleibt. FOCUS online: „Nach Linken-Sieg in Berlin wollen 72 Polizisten Versetzung - dreimal so viel wie im Gesamtjahr 2025“ (22.10.2026)Der Beitrag berichtet über eine Umfrage zu Wechselwünschen Berliner Beamter und nennt 58 Interessenbekundungen für Baden-Württemberg. Damit setzt er den Schwerpunkt auf die mögliche Größenordnung der Personalbewegung, während die GdP vor allem ein verlässliches Regelwerk für Länderwechsel fordert.Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenFOCUS online: „Update am Morgen: 7.00 Uhr: Azubi mit Behinderung verteidigt + Schweden-Auswandertraum geplatzt“ (23.10.2026)Der Tagesüberblick greift die Abwerbung Berliner Polizeibeamter auf und verbindet die Wechselwünsche mit der politischen Unsicherheit sowie der Besoldung. Anders als der Einzelbeitrag stellt er die Warnung vor langfristigen Personalverlusten stärker in den Vordergrund.Beide Beiträge ordnen die Debatte als Folge des Berliner Wahlergebnisses und des Angebots aus Baden-Württemberg ein. Offen bleibt, ob die Länder ihre bisherigen Regeln tatsächlich ändern und welche Bedingungen für einen Wechsel gelten würden.