28.10.2026 - 13:30 Uhr

Schüler-ID: Arbeitgeber fordern Umsetzung durch die Bundesregierung

Die BDA drängt auf einheitliche Bildungsdaten, um Lernrückstände früher zu erkennen und Förderangebote gezielter auszurichten. Das Bundesbildungsministerium verweist zugleich auf die Zuständigkeit der Länder.

Arbeitgeber verlangen bundesweite Schüler-IDDie Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände fordert die Bundesregierung auf, ihre angekündigten Vorhaben zur Nutzung von Bildungsdaten umzusetzen. Eine Schüler-ID und ein Bildungsverlaufsregister sollen helfen, Bildungswege nachzuvollziehen und Förderbedarf früher zu erkennen.BDA sieht Bildungsdaten als Grundlage für bessere FörderungIn einem Positionspapier erklärt die BDA, Deutschland könne die Qualität des Bildungssystems verbessern, wenn Bildungsdaten systematisch genutzt würden. Ziel seien gesicherte Grundkompetenzen, weniger Leistungsschwache und eine stärkere Förderung leistungsstarker junger Menschen.Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger kritisierte, dass die im Koalitionsvertrag von Union und SPD angekündigten Vorhaben bislang nicht umgesetzt worden seien. Eine Schüler-ID könne zeigen, wo Kinder den Anschluss verlieren, welche Förderung wirksam sei und was aus Jugendlichen werde, die die Schule ohne Abschluss verlassen.Bund verweist auf LänderzuständigkeitDas Bundesbildungsministerium teilte auf Anfrage mit, der Bund unterstütze die Länder beim Thema Schüler-ID grundsätzlich, etwa durch Austauschformate oder Forschungsförderung. Über konkrete Unterstützungsmöglichkeiten werde noch beraten.Für die Einführung einer Schüler-ID und die Festlegung ihrer Zwecke habe der Bund keine Kompetenz, erklärte das Ministerium weiter. Diese Fragen fielen in die Zuständigkeit der Länder und damit in das Schulrecht.Dulger fordert Konsequenzen nach Pisa-ErgebnissenDulger mahnte angesichts der schlechten Pisa-Ergebnisse ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern an. Deutschland könne es sich nicht leisten, junge Menschen auf ihrem Bildungsweg aus den Augen zu verlieren. Die Forderung der Arbeitgeber zielt auf eine seit Jahren bestehende Schwachstelle der deutschen Bildungssteuerung: Daten zu Lernständen, Schulwechseln und Bildungsabschlüssen liegen überwiegend bei den Ländern und sind nur begrenzt miteinander vergleichbar. Ein bundesweit einheitlicher Identifikator könnte Bildungswege über Institutionsgrenzen hinweg dokumentierbarer machen.Für die Bildungspolitik wäre ein solches Register vor allem deshalb relevant, weil Förderbedarf häufig erst spät sichtbar wird. Verknüpfte Daten könnten Hinweise darauf geben, an welchen Übergängen Schülerinnen und Schüler den Anschluss verlieren und welche Unterstützungsangebote wirken. Damit würde die Grundlage für gezieltere Förderung und eine bessere Bewertung staatlicher Programme geschaffen.Datenschutz bleibt zentrale VoraussetzungDie Einführung einer Schüler-ID wäre allerdings nicht nur eine technische Aufgabe. Sie berührt den Umgang mit besonders sensiblen Daten von Kindern und Jugendlichen und erfordert klare Zweckbindungen, Zugriffsregeln, Löschfristen sowie wirksame Kontrolle. Die Zuständigkeit der Länder im Schulrecht erschwert zudem ein einheitliches Vorgehen.Der im Koalitionsvertrag angekündigte Ansatz steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Bund und Länder müssten sich auf gemeinsame Standards verständigen und zugleich den Schutz der Betroffenen gewährleisten. Für Schulen und Familien wäre entscheidend, dass zusätzliche Datenerfassung tatsächlich zu schnellerer Hilfe führt und nicht lediglich neue Verwaltungsabläufe schafft.