Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hält Audis Milliardenprojekt in den Vereinigten Staaten trotz Arbeitsplatzverlusten in Deutschland für notwendig. Er fordert von Bund und EU bessere Bedingungen für die heimische Autoindustrie.
Audi investiert in den USA – Aiwanger sieht keinen AuswegBayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat Audis Entscheidung verteidigt, Milliarden in ein US-Werk zu investieren, während in Deutschland Arbeitsplätze verloren gehen. Dem Fernsehsender „Welt“ sagte der Freie-Wähler-Politiker, Audi müsse wegen steigender US-Importzölle dort produzieren, wo der Konzern seine Fahrzeuge verkauft.Minister fordert bessere BedingungenAiwanger erklärte, der Schritt sei für die Stabilisierung des Konzerns „leider Gottes alternativlos“. Zugleich wünsche er sich eine stärkere Unterstützung der Werke in Deutschland und Bayern.Dafür müsse die Bundespolitik gemeinsam mit Europa die Rahmenbedingungen verbessern. Aiwanger nannte niedrigere Energiepreise, geringere Steuern und weniger Vorschriften als zentrale Voraussetzungen, um weitere Verlagerungen von Arbeitsplätzen zu verhindern.Forderungen zu Steuern und AntriebenKonkret verlangte der Minister Unternehmenssteuern von maximal 25 Prozent, ein Ende der CO2-Bepreisung und die Aufhebung des Verbrennerverbots. Außerdem sprach er sich für flexiblere Arbeitszeiten und deutlich günstigere Energiepreise aus.Deutschland sei international derzeit nicht mehr wettbewerbsfähig, sagte Aiwanger. Investitionen im Ausland könnten nach seiner Einschätzung dennoch Arbeitsplätze in Deutschland sichern, wenn Gewinne aus ausländischen Geschäften heimische Werke mitfinanzierten.Kritik an Trump-Auftritt zurückgewiesenAls Beispiel nannte Aiwanger auch mittelständische Unternehmen, die in Osteuropa produzierten, um ihre Gesamtbilanz auszugleichen und Hauptwerke in Deutschland zu stützen. Er sei nicht überzeugt, dass es Volkswagen und Audi ohne Investitionen in den USA langfristig besser gehen würde.Die Kritik am gemeinsamen Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner und US-Präsident Donald Trump wies Aiwanger zurück. Politiker stellten sich weltweit bei Werkseröffnungen und Investitionsankündigungen neben Unternehmensvertreter, sagte er.
Die Audi-Entscheidung steht im Zusammenhang mit dem wachsenden Druck auf europäische Autohersteller, Produktion stärker an die Absatzmärkte anzupassen. Das geplante Werk in Georgia soll rund 4.500 Arbeitsplätze schaffen und eine Kapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen pro Jahr erreichen. Audi würde damit erstmals eine eigene Fertigungsstätte in den USA errichten.Für den Konzern ist der Schritt zugleich eine Reaktion auf die Bedeutung des US-Marktes und auf handelspolitische Risiken. Höhere Importzölle verteuern Fahrzeuge, die aus Europa in die Vereinigten Staaten eingeführt werden. Eine lokale Produktion kann diese Belastung reduzieren und die Position des Unternehmens im amerikanischen Markt stärken.Standortpolitik unter DruckIn Deutschland verschärft die Investition die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts. Aiwanger verbindet die Sicherung heimischer Beschäftigung mit niedrigeren Energie- und Unternehmenskosten, weniger Regulierung und größerer Flexibilität bei Arbeitszeiten und Antrieben. Seine Argumentation folgt dem Muster, dass Auslandsgeschäfte Gewinne erwirtschaften können, die auch deutsche Werke stabilisieren.Gleichzeitig bleibt die Verteilung der Investitionen ein politisch sensibler Punkt. Neue Stellen in den USA entstehen zusätzlich, während Audi und Volkswagen in Deutschland mit hohen Kosten und strukturellem Anpassungsdruck umgehen müssen. Für Beschäftigte und Zulieferer wird entscheidend sein, ob die US-Produktion deutsche Standorte ergänzt oder langfristig Teile der Wertschöpfung verlagert.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenSWR Aktuell: „Audi baut eigenes Werk in den USA“ (25.10.2026)Der Beitrag hebt die geplanten rund 4.500 Arbeitsplätze und die Kapazität von 200.000 Fahrzeugen jährlich hervor. Im Mittelpunkt steht außerdem die mögliche Bedeutung der Investition für den Standort Neckarsulm.Bayerischer Rundfunk: „Auf Wahlkampftour: Trump kündigt erstes Audi-Werk in den USA an“ (25.10.2026)Der Bericht ordnet die Investition als erstes eigenes Audi-Werk in den USA ein und nennt ein Volumen von 4,2 Milliarden Dollar. Anders als der SWR richtet sich der Schwerpunkt stärker auf die öffentliche Ankündigung durch Donald Trump während einer Wahlkampfveranstaltung.Beide Beiträge bestätigen Umfang und Standort des Vorhabens, setzen aber unterschiedliche Akzente: Im Vordergrund stehen einerseits regionale Beschäftigungseffekte, andererseits die politische Inszenierung der Ankündigung.