26.10.2026 - 20:04 Uhr

Audi-Chef Döllner tritt bei Trump-Wahlkampfveranstaltung auf

DIW-Präsident Marcel Fratzscher wirft Audi-Chef Gernot Döllner nach dessen Auftritt mit Donald Trump mangelnde Verantwortung vor. Er warnt zugleich vor wachsenden Abhängigkeiten deutscher Konzerne von den USA und China.

Fratzscher kritisiert Döllners Auftritt mit TrumpDIW-Präsident Marcel Fratzscher hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Er wirft deutschen Konzernspitzen vor, ihre Verantwortung für eigene Fehler und für eine funktionierende Marktwirtschaft nicht ausreichend wahrzunehmen.Appell an deutsche UnternehmensführungenDeutschland könne als Wirtschaftsstandort nur dann wieder attraktiv und innovativ werden, wenn sich das Management deutscher Unternehmen zu den Werten der Demokratie, einer offenen Gesellschaft und einer multilateralen Weltordnung bekenne und dafür eintrete, sagte Fratzscher.Der DIW-Präsident bezog seine Kritik ausdrücklich auf den gemeinsamen öffentlichen Auftritt von Döllner und Trump. Der Audi-Chef war bei einer Wahlkampfveranstaltung des US-Präsidenten aufgetreten.Warnung vor AbhängigkeitenFratzscher warf Audi außerdem vor, wirtschaftliche Risiken zu ignorieren. Die Unterstützung Trumps durch Döllner zeige, dass zu viele deutsche Konzerne ihre Abhängigkeit von den USA und China weiter erhöhten, statt sie deutlich zu reduzieren und Risiken abzubauen.Nach Einschätzung des DIW-Chefs schade dieses Verhalten sowohl dem Audi-Konzern als auch Deutschland als Wirtschaftsstandort. Er kritisierte damit zugleich eine Orientierung am kurzfristigen Profit, die langfristige strategische und politische Risiken ausblende. Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner fand im Zusammenhang mit der angekündigten Ausweitung der US-Produktion des Autobauers statt. Donald Trump verband die Präsentation des Vorhabens mit einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia; dadurch geriet die öffentliche Rolle des Audi-Chefs über die reine Unternehmenskommunikation hinaus in den Mittelpunkt.Für Audi steht dabei ein strategischer Zielkonflikt im Raum. Eine stärkere Fertigung in den USA kann lokale Wertschöpfung schaffen, politische Handelsrisiken begrenzen und den Zugang zum amerikanischen Markt sichern. Zugleich erhöht eine solche Verlagerung die Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen und bindet erhebliche Investitionen an einen einzelnen Absatzraum.Politische Sichtbarkeit als UnternehmensrisikoFratzschers Kritik richtet sich deshalb nicht nur gegen die Nähe zu Trump, sondern gegen den Umgang deutscher Unternehmen mit geopolitischen Risiken. Der Vorwurf lautet, dass kurzfristige wirtschaftliche Vorteile langfristige Fragen zu demokratischer Verantwortung, internationaler Zusammenarbeit und Abhängigkeiten überlagern.Für Beschäftigte, Zulieferer und den Standort Ingolstadt bleibt entscheidend, wie sich die US-Strategie auf Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland auswirkt. Der Auftritt macht zudem sichtbar, dass Unternehmen bei internationalen Investitionsentscheidungen zunehmend zwischen wirtschaftlicher Anpassung und politischer Abgrenzung stehen. Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenBR: „Auftritt mit Trump: Kritik an Audi-Chef Döllner wächst“ (26.10.2026)Der Beitrag bestätigt den gemeinsamen Auftritt und stellt die Reaktionen darauf in den Mittelpunkt. Anders als die dts-Meldung konzentriert er sich auf die öffentliche Kritik an der Verbindung von Unternehmensankündigung und Wahlkampf.Deutschlandfunk: „Audi-Chef sorgt mit Auftritt auf Wahlkampfveranstaltung in den USA für Kritik“ (26.10.2026)Der Deutschlandfunk ordnet den Auftritt als Teil der Debatte über die Rolle deutscher Autokonzerne in den USA ein. Damit ergänzt der Beitrag Fratzschers Kritik um die wirtschaftspolitische Dimension des Vorgangs.Übereinstimmend steht die politische Inszenierung des Audi-Auftritts im Zentrum. Unterschiede ergeben sich beim Schwerpunkt: Während Fratzscher demokratische Werte und Abhängigkeiten betont, richten die anderen Beiträge den Blick stärker auf die Reaktionen und den wirtschaftlichen Zusammenhang.