Der VDA warnt vor erheblichen Belastungen für die Autoindustrie, wenn EU und Großbritannien die verschärften Ursprungsregeln nicht verschieben. Nach Verbandsangaben könnten 2027 Zölle von insgesamt 1,47 Milliarden Euro anfallen.
VDA warnt vor Autozöllen zwischen EU und GroßbritannienDer Verband der Automobilindustrie fordert einen Aufschub der für 2027 vorgesehenen Verschärfung der Ursprungsregeln im Handel zwischen der EU und Großbritannien. Andernfalls könnten nach Einschätzung des Verbands zehnprozentige Zölle auf eine große Mehrheit der EU-Autoexporte nach Großbritannien zukommen.Batterieanteil soll auf 70 Prozent steigenIm Brexit-Handelsabkommen haben EU und Großbritannien festgelegt, dass ab 2027 mindestens 70 Prozent der Wertschöpfung von Batterien aus Großbritannien oder EU-Ländern stammen müssen. Wird dieser Anteil nicht erreicht, sollen gegenseitige Zölle in Höhe von zehn Prozent eingeführt werden.VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte laut einem Positionspapier des Verbands, die geplante Verschärfung müsse dringend aufgeschoben werden, um Schaden von der Automobilindustrie in Deutschland, Europa und dem Vereinigten Königreich abzuwenden.Verband schlägt Übergangsregeln vorDer VDA schlägt konkrete Anpassungen für Batterie- und Fahrzeugklassen vor. Damit soll der Hochlauf der Batterieproduktion ermöglicht und ein schweres Handelshemmnis für die Hersteller vermieden werden.Nach Angaben des Verbands würden die neuen Regeln nicht nur Marktanteile, Wertschöpfung und Arbeitsplätze gefährden. Sie könnten auch den Aufbau einer wettbewerbsfähigen europäischen Batterieindustrie bremsen.Milliardenschäden für Exportgeschäft befürchtetDie Kosten eines zehnprozentigen Zolls schätzt der VDA laut dem Magazin Politico allein für 2027 auf 1,47 Milliarden Euro. Großbritannien ist für deutsche Autohersteller der größte Exportmarkt, weil sie dort anders als in den USA und China keine eigenen Werke haben.Deutsche Elektroautos erreichen in Großbritannien einen Marktanteil von 44 Prozent. Der VDA warnt deshalb vor erheblichen Auswirkungen auf das Exportgeschäft, falls die Ursprungsregeln nicht angepasst werden.
Die geplante Verschärfung der Ursprungsregeln betrifft einen zentralen Bestandteil des Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien. Für die Autoindustrie entscheidet der Batterieanteil darüber, ob Fahrzeuge ab 2027 weiterhin zollfrei exportiert werden können oder ob auf beiden Seiten ein zehnprozentiger Zoll anfällt.Der Streit steht im Zusammenhang mit dem noch langsamen Aufbau europäischer Batteriekapazitäten. Hersteller beziehen weiterhin einen erheblichen Teil ihrer Batterien und Vorprodukte aus Ländern außerhalb der EU und Großbritanniens. Dadurch wird die geforderte regionale Wertschöpfung schwieriger erreichbar, obwohl die Regel den Aufbau einer europäischen Lieferkette fördern soll.Folgen für Handel und StandorteFür deutsche Hersteller ist der britische Markt besonders relevant, weil sie dort nach der dts-Meldung keine eigenen Werke betreiben. Ein Zoll könnte Fahrzeuge verteuern, Margen belasten und die Wettbewerbsposition gegenüber Herstellern mit lokaler Produktion oder anderen Lieferketten schwächen.Der VDA verbindet die Forderung nach einem Aufschub deshalb mit einem Übergang für Batterie- und Fahrzeugklassen. Eine solche Lösung würde den Unternehmen mehr Zeit geben, Lieferketten und Produktionskapazitäten anzupassen, zugleich aber den politischen Druck zur regionalen Batterieproduktion aufrechterhalten.Entscheidung vor 2027Für Verbraucher und Beschäftigte geht es damit nicht nur um Handelskosten. Die Ausgestaltung der Regeln kann Preise, Modellangebote, Exportvolumen und Investitionsentscheidungen in der europäischen Autoindustrie beeinflussen. Entscheidend ist, ob EU und Großbritannien die Ursprungsregeln rechtzeitig anpassen oder den angekündigten Zollmechanismus unverändert wirksam werden lassen.