05.11.2026 - 12:35 Uhr

Kapitalrente: Fratzscher kritisiert Verschiebung durch Merz

DIW-Chef Marcel Fratzscher sieht in der Verschiebung der Kapitalrente einen Rückschlag für eine generationengerechte Altersvorsorge. Er erwartet, dass die von einer Expertenkommission vorgeschlagene Reform nicht mehr vollständig als Paket umgesetzt wird.

DIW warnt vor Folgen der verschobenen KapitalrenteDIW-Chef Marcel Fratzscher kritisiert die von Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigte Verschiebung der Kapitalrente. Er bezeichnete sie als Rückschlag für eine nachhaltige und generationengerechte Reform der gesetzlichen Rentenversicherung.Fratzscher fordert breitere AltersvorsorgeGerade junge Menschen sowie Menschen mit geringen Einkommen und Ersparnissen benötigten eine verlässliche Altersvorsorge, sagte Fratzscher der „Rheinischen Post“. Diese sollte nach seiner Einschätzung nicht allein auf dem Umlageverfahren beruhen, sondern auch die Chancen des Kapitalmarkts nutzen.Expertenvorschläge drohen unvollständig zu bleibenDer DIW-Chef geht davon aus, dass die von der Expertenkommission vorgeschlagene Rentenreform nun nicht mehr vollständig umgesetzt wird. Das zeige zugleich, dass das Versprechen einer Umsetzung als geschlossenes Paket vermutlich aufgegeben werde.Merz will Reformteile vor Weihnachten beratenMerz hatte zu Wochenbeginn angekündigt, die Rentenreform in wesentlichen Teilen noch vor Weihnachten im Kabinett verabschieden zu wollen. Für den kapitalgedeckten Teil sollen zunächst lediglich Eckpunkte festgelegt werden. Die Verschiebung des kapitalgedeckten Teils verändert den Zeitplan der geplanten Rentenreform, nicht jedoch den Anspruch, wesentliche Teile des Gesamtpakets noch vor Weihnachten im Kabinett zu beraten. Damit wird die Reform in zwei Ebenen aufgeteilt: Grundentscheidungen zur gesetzlichen Rente sollen zeitnah fallen, während die konkrete Ausgestaltung der Kapitalrente zunächst offenbleibt.Inhaltlich berührt der Streit einen zentralen Zielkonflikt der Altersvorsorge. Das Umlageverfahren finanziert laufende Renten aus den Beiträgen der Beschäftigten und gerät durch die Alterung der Bevölkerung unter Druck. Ein kapitalgedecktes Element könnte die Finanzierung breiter aufstellen, wäre aber von Anlageentscheidungen, Kosten, Renditen und der Entwicklung der Finanzmärkte abhängig.Folgen für jüngere BeitragszahlerFür jüngere Menschen bedeutet die Verschiebung vor allem, dass zentrale Regeln zur zusätzlichen Vorsorge später festgelegt werden. Für Haushalte mit niedrigen Einkommen ist entscheidend, ob ein künftiges Modell tatsächlich zugänglich ist, staatlich unterstützt wird und neben dem bestehenden Umlagesystem einen ausreichenden Schutz bietet.Reform unter ZeitdruckPolitisch erhöht die Trennung der Reformteile den Abstimmungsbedarf innerhalb der Koalition und mit der Expertenkommission. Offen ist insbesondere, ob deren Vorschläge vollständig übernommen werden oder ob die Kapitalrente in einem späteren Verfahren mit veränderten Eckpunkten zurückkehrt. Deutschlandfunk: „Kapitalrente aufs neue Jahr verschoben - junge Unionsabgeordnete sauer“ (05.11.2026)Der Beitrag bestätigt die Verschiebung des kapitalgedeckten Elements und stellt sie in den Zusammenhang mit dem von Friedrich Merz angekündigten Zeitplan für die übrige Rentenreform. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Reaktionen junger Unionsabgeordneter.Deutschlandfunk: „Kapitalrente aufs neue Jahr verschoben - junge Unionsabgeordnete sauer“ (05.11.2026)Auch dieser Einzelbeitrag ordnet die zeitliche Verschiebung und den geplanten Kabinettsbeschluss der weiteren Rentenreform ein. Im Unterschied zur DIW-Kritik steht stärker der innerparteiliche Widerstand gegen den späteren Start im Mittelpunkt.Gemeinsam ist den Beiträgen die Einordnung der Kapitalrente als vom übrigen Reformfahrplan getrennten Baustein. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt zwischen ökonomischer Bewertung und politischen Reaktionen.